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Berechnung für den Preis von Service-Leistungen nach Vertrag

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Andreas Fischer
Stand: 06.12.2014

Frage:

Wir sind ein Brötchen-Lieferdienst mit Sitz in München und arbeiten zur Zeit mit mehreren Partnern zusammen, die als eigenständig Selbständige einen eigenen Brötchen-Lieferdienst gegründet haben.
Diesen Partnern stellen wir unsere Software und ein paar Service-Leistungen zur Verfügung. Dazu haben wir eine Nutzungsvereinbarung & Vereinbarung über Service-Leistungen mit den Partnern abgeschlossen.

Von unseren Partnern verlangen wir eine, bezogen auf den verwalteten Umsatz in unserer Software - jedoch Netto, Umsatzbeteiligung von 12,5%.

Einer unserer Partner behauptet nun, wir würden die Berechnungsgrundlage der Umsatzbeteiligung falsch verwenden. Allerdings ist ja in der Nutzungsvereinbarung diese Berechnungsgrundlage eindeutig geregelt (§3 Monatliche Nutzungsgebühr) die besagt:

"Alle Preise verstehen sich zuzüglich der jeweils geltenden gesetzlichen Umsatzsteuer. Die Höhe der monatlichen Nutzungsgebühr beträgt:

bis zu einem Nettoumsatz von 1999,- Eur
250,- Euro zzgl. MwSt.

ab einem Nettoumsatz von 2000,- Eur
12,5% vom Nettoumsatz zzgl. MwSt.

ab einem Nettoumsatz von 10.000,- Eur
10,0% vom Nettoumsatz zzgl. MwSt.

ab einem Nettoumsatz von 20.000,- Eur
7,5% vom Nettoumsatz zzgl. MwSt.

Nettoumsatz bezeichnet die Summe der Warenbestellwerte von Endkunden des Partners (vom Endkunden zu zahlender Betrag einschließlich Ausliefer- und Zahlungsgebühren), die innerhalb des jeweiligen Kalendermonats in den Dienst als Warenbestellung aufgenommen wurden, jedoch ohne der Umsatzsteuer. Der Nettoumsatz wird mit Aufnahme der Bestellung in den Dienst ausgelöst, die spätere Bezahlung durch den Endkunden oder eine etwaige Stornierung haben keinen Einfluss auf den Nettoumsatz."

Eine Kundenrechnung besteht aus den gelieferten Brötchen zzgl. einer Liefergebühr. Im Endkunden-Rechnungsbetrag ist die MwSt. von 7% enthalten, da die Liefergebühr eine Nebenleistung zur Hauptleistung ist und deshalb auch die 7% gültig sind. Die Berechnungsgrundlage der Umsatzbeteiligung berechnen wir nun also folgendermaßen:

Addieren der Endsummen aller Ausgangsrechnungen des Partners = Brutto-Gesamtumsatz
Davon ziehen wir die 7% Umsatzsteuer ab (also Brutto-Gesamtumsatz : 1,07 = Netto-Gesamtumsatz)

Unsere Umsatzbeteiligung berechnen wir nun also folgendermaßen:
Netto-Gesamtumsatz des Partners : 100 * 12,5 = Unsere Umsatzbeteiligung netto

Da wir Steuern ans Finanzamt abführen müssen, schlagen wir auf "Unsere Umsatzbeteiligung netto" die 19% Umsatzsteuer wieder auf und erhalten so den vom Partner zu zahlenden Rechnungsbetrag.

Unsere Frage nun an Sie, sofern Sie diesen Auftrag annehmen: Ist unsere Berechnungsweise richtig oder falsch?

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Antwort:

Ihre Berechnungsweise halte ich prinzipiell für richtig.

Jedenfalls sind vom System her keine offensichtlichen Fehler erkennbar.
Sie rechnen von den jeweils in Ihrer Buchhaltung erfassten Ausgangsrechnungen des Kunden die den Endverbrauchern in Rechnung gestellte Umsatzsteuer heraus und ermitteln so die für Ihre Abrechnung relevante Berechnungsgrundlage (Nettoumsatz).
Davon nehmen Sie 12,5 Prozent zuzüglich die für Ihre eigene Leistung anwendbare Umsatzsteuer von 19 Prozent, die Sie an das Finanzamt abführen und die der Partner in der Lieferkette erst bezahlt und durch Vorsteuerabzug vom Finanzamt wieder zurück erhält.
Voraussetzung für die angewandten 12,5 Prozent ist natürlich, dass sich der Umsatz des Partners überhaupt in dem relevanten Bereich zwischen 2.000 und 10.000 Euro bewegt.
Darunter fallen ja nach der Vereinbarung nur die EUR 250 an und darüber ab 10.000 EUR 10 Prozent bzw. 7,5 Prozent ab 20.000 EUR.
Tipp: Sehen Sie Ihre Abrechnungen daraufhin nochmal durch.
Gegebenenfalls empfiehlt sich, mittels einer Saldenabstimmung den relevanten Nettoumsatz vorab mit dem betreffenden Partner abzustimmen.
Ein Muster einer Saldenbestätigung wie es bei Wirtschaftsprüfern üblich ist, finden Sie in der Anlage.
Die sich dann ergebenden etwaigen Differenzen müsste man normaler Weise recht einfach klären können.
Ansonsten müsste man spekulieren darüber, was Ihr Partner genau zu beanstanden hat.
Häufig handelt es sich dann um Verschiebungen bei der Verbuchung der Vorgänge beim Partner im Vergleich zu Ihrer Abrechnung und um sonstige Rechnungsabgrenzungsprobleme.

Differenzen zu erwarten wären natürlich auch, wenn der Partner als Kleinunternehmer nach § 19 UStG tätig wäre und gar keine Umsatzsteuer ausweist oder bei Verkäufen ins Ausland.
Wenn das zu keiner Klärung führt, sollten Sie Ihren Partner darum bitten, seine Beanstandungen an Ihrer Abrechnung schriftlich mitzuteilen.


*1) Unter meiner Antwort befinden sich Fussnoten, Links, Gesetze und Hinweise auf weiter führende Informationen


http://www.etl-heimfarth.de/downloads/Saldenbestaetigung_Forderungen_HK.pdf
 



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