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Standortwechsel mit finanziellen Folgen


Online-Rechtsberatung von N. N.
Stand: 07.10.2014

Frage:

Ich habe aus persönlichen Gründen angefragt, ob es möglich ist, in einen Standort näher meiner Heimat zu wechseln. Wir arbeiten in der Zeitarbeitsbranche, als interner Mitarbeiter unterstehe ich aber nicht der Zeitarbeitsfirma.


Jetzt habe ich die Möglichkeit dazu, möchte aber ohne gehaltliche Einbußen wechseln, da ich finde, dass ich mit meinem derzeitigen Gehalt sowieso schon unter Westniveau liege (ich bin als Netzwerkadministrator angestellt und betreue unter anderem unsere Anwendersoftware für die Zeitarbeit).


Diese Tätigkeit wird im großen und Ganzen beibehalten werden, ich werde aber zusätzlich noch in Zukunft ein Bindeglied zwischen unserer Anwendersoftware und unserer Abrechnungssoftware sein. Das heißt, wir werden bei unseren Abrechnungscentern und Niederlassungen in Zukunft eine Art Kontrollfunktion ausüben. Das heißt, meine Arbeitsaufgabe wird sich erweitern.

Beim Gespräch hat man anklingen lassen, dass man mich gehaltmäßig auf Ostniveau setzen will. Ich bin seit fast 15 Jahren im Unternehmen. Ich verdiene jetzt 2750 Brutto oder 1648 Euro Netto + 13. Monatsgehalt
Kann man mir das zumuten?

Die Lebenshaltungskosten, wie Miete ist in in beiden Orten gleich hoch (Universitätsstadt), die Nebenkosten wie Strom, Wasser, und Gas sind teilweise sogar teurer. Fahre ich jeden Tag, muss ich allein 440 Euro im Monat an Benzinkosten zulegen, da ich trotzdem außerhalb wohne und meine Idee war zu fahren, da es sich um 70 km handelt, die man in gut einer Stunde bewältigen kann. Bisher habe ich teilweise genauso lange gebraucht und da war die Strecke wesentlich kürzer. Da waren allerdings auch die ÖPNV-Verbindungen besser und ich musste nur im Notfall mit dem Auto fahren. Außerdem konnte ich die Proficard nutzen, so dass ich nur einen geringen Teil der eigentlichen ÖPNV-Kosten tragen musste, allerdings auch erst seit kurzem.

Ich habe ja jetzt schon nur über den Steuerausgleich immer mal mehr Geld gehabt, von dem ich erstmal mein Konto ausgeglichen habe und evtl. war dann noch etwas für Urlaub übrig. Vom Weihnachtsgeld blieb nie etwas übrig.

Wenn ich mich darauf einlasse, verliere ich vielleicht sogar meine Rentenpunkte, die ich mir nach Westniveau erarbeitet habe.

Wir internen Mitarbeiter werden außertariflich bezahlt und haben keinen Betriebsrat. Geben Sie mir bitte einen Rat, was ich tun kann, damit mir meine hart erarbeiteten Bezüge nicht verloren gehen und ich am Ende nicht noch Geld mitbringen muss. Der Wunsch, in die Heimat zurück zu gehen, sollte meines Erachtens nicht durch finanzielle Einbußen bestraft werden.

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Antwort:

Mir erscheint das zumutbar.

Vorliegend haben wir es rechtlich zu tun mit einer Änderung des Arbeitsvertrags auf eigenen Wunsch. Auch wenn Sie beim selben Arbeitgeber bleiben, so gibt es hinsichtlich der Bedingungen keine rechtlich durchsetzbaren Positionen aus den bisher erworbenen Rechten nach dem bestehenden Arbeitsvertrag. Letztendlich müssen Sie entscheiden, ob unter dem Strich die Ihnen angebotenen Bedingungen entweder akzeptabel erscheinen oder eventuell nochmal nach verhandelt werden sollten.

Ich empfehle aber insgesamt nach dem Gesagten, das offensichtlich gut gemeinte Angebot anzunehmen und das Beste draus zu machen.

Tipp: Versuchen Sie dabei, wenn es irgendwie geht, einen günstigeren Wohnort näher bei der Arbeit zu suchen, gegebenenfalls durch Eigeninserate. Hier würde ich mich nicht so schnell zufrieden geben.

Die enormen Fahrtkosten und die verschwendete Zeit durch die täglichen Fahrten erscheinen mir auch unverhältnismäßig. Ob es Ihnen die lange Fahrerei wert ist, müssen Sie natürlich letztendlich selbst entscheiden.

Wenn Sie im Osten arbeiten, dann versteht es sich an sich von selbst, daß Sie auch nach dem dort herrschenden Niveau bezahlt werden. Sie müssen daran denken, daß ein Arbeitgeber immer nur einen prozentual vom erzielbaren Einkommen abhängigen Lohn bezahlen darf, um nicht selbst in die roten Zahlen zu geraten. Das geht also in Ordnung.

Im Übrigen denke ich, daß die Anpassung der Löhne zwischen Ost und West nur noch eine Frage der Zeit ist. Darüber wird irgendwann einmal, nach Streichung des Soli-Zuschlags, überhaupt nicht mehr geredet werden.

Eine Tätigkeit im Controlling, und eine Erweiterung Ihrer bisherigen Aufgaben, erscheinen mir sehr interessant und ich würde nicht allzu sehr über das Anfangsgehalt nachdenken. Solange es zum Leben ausreicht, und das scheint mir nach den geschilderten Umständen dick der Fall zu sein, dann müssen Sie halt Ihre Lebensumstände entsprechend einrichten und notfalls den Gürtel etwas enger schnallen, bis es passt.

Wenn Sie sich bewähren, und der Arbeitgeber mit Ihnen zufrieden ist, wird er Ihnen auch besser Bedingungen anbieten, bzw. werden Sie auf Dauer auch eine angemessene und bessere Entlohnung entsprechend der Bedeutung Ihrer Arbeit durchsetzen können. Entweder intern, oder wenn notwendig auch über weitere externe Bewerbungen. In Ihrer Branche haben Sie ja eigentlich automatisch sowieso die besten Einblicke in Alternativen.

Der Lohn, den Sie vernünftiger Weise verlangen können, richtet sich primär nach dem bestehenden Markt für Ihre Branche und konkrete Arbeit.

Die wichtigsten Kriterien sind bei den Verhandlungen des neuen Vertrags:

Was ist gegebenenfalls ein anderer Arbeitgeber bereit, Ihnen anzubieten (sogenannter Fremdvergleich)? Welcher Wert und welche Wertschöpfung für das Unternehmen ist mit Ihrer Beschäftigung verbunden, können Sie ersetzt werden und ist Ihre Position mit unverzichtbarer Tätigkeit verbunden, zu der kein anderer zu demselben Preis zu haben ist?

Wenn Sie ernsthaft der Meinung sind, unterbezahlt zu sein, und das müssen Sie selbst am besten wissen, z.B. beim Vergleich mit Kollegen, dann ist es am effektivsten, durch weitere Bewerbungen hier ein wenig Markt und Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Nichts hilft besser bei der Verhandlung, wenn eine zweite ernstzunehmende Wahl besteht, die Sie alternativ auch treffen könnten.

Gegebenenfalls können Sie dann ja immer noch nachverhandeln.

Bereits durch Arbeit im Westen erworbene Rentenansprüche gehen Ihnen übrigens, meines Wissen, überhaupt nicht verloren.

Es gilt die Formel: Monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor. Aktuell beträgt der Wert der Entgeltpunkte 28,61 Euro für Westdeutschland, und 26,39 Euro für Ostdeutschland *1). Statistisch sind das gerade einmal rund 8 Prozent. Da die Entgeltpunkte jeweils neu berechnet werden, sollten eigentlich die Anwartschaften in der aktuarischen Berechnungen dann, wenn Sie erst einmal im Westen erworben worden sind, nicht wieder verloren gehen (Grundsatz des wohlerworbenen Rechts), sondern Sie erhöhen lediglich das Resultat ein wenig.

Tipp: Sie sollten sich mit einem Rentenberater unterhalten und den späteren Rentenbedarf ermitteln lassen. Entsprechend können Sie gegebenenfalls notfalls die Rentenbeiträge durch Zusatzverträge anpassen. Vermutlich wird das aber bei der doch recht geringen Differenz gar nicht nötig sein.

Wenn es vor Ort keine weiteren Alternativen gibt, dann besteht eher eine geringe Nachfrage und dann kommt es im Wesentlichen auf Ihr Verhandlungsgeschick an, aus dem Angebot das Beste zu machen.



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