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Unterhaltsverpflichtung für 20. jährigen Sohn


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwältin Anette Führing
Stand: 26.10.2011

Frage:

Mein Sohn, 20 Jahre alt, lebte bis Oktober bei seinem Vater und erhielt von mir freiwillig einen Unterhaltsbetrag von 295,- Euro. Er hat jetzt angefangen zu studieren, lebt in einem eigenen Haushalt und ich möchte gerne wissen zu wieviel Unterhalt ich ihm gegenüber verpflichtet bin. Ich bin geschieden, habe noch eine Tochter von 22 Jahren aus 1. Ehe .Ich lebe jetzt mit meinem neuen Lebensgefährten zusammen, mit dem ich einen 9- jährigen Sohn habe. Aus gesundheitlichen Gründen befinde ich mich im Vorruhestand. Meine Versorgungsbezüge sind brutto 1.604,13 Euro . Netto 1.427,02 Euro. Ich habe Unterhaltsschulden beim Land Rheinland Pfalz, die ich begleichen muss. Aus diesem Grund möchte ich mich gerne versichern, zu wieviel Unterhalt ich gesetzlich verpflichtet bin.

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Antwort:

Zur Bestimmung eines Unterhaltsbetrages ist zunächst der Bedarf des volljährigen Kindes entscheidend. Gem. § 1610 Abs. 2 BGB umfasst der angemessene Unterhalt des Kindes dessen gesamten Lebensbedarf.

Nach der Düsseldorfer Tabelle ist der angemessene Gesamtunterhaltsbedarf eines Studierenden, der nicht bei seinen Eltern oder einem Elternteil wohnt, mit 670 € beziffert. Hier sind schon die Kosten für die Unterkunft in Höhe von 280 € mit Nebenkosten und Heizung enthalten. Mit der Volljährigkeit endete der Betreuungsunterhalt des Kindes, sodass beide Eltern dem Kind gegenüber barunterhaltspflichtig sind.

D. h. in Ihrem Fall, dass nicht nur Sie hier einen Unterhaltsbetrag an den Sohn zahlen, sondern auch der Vater. Gem. § 1603 Satz 1 BGB haften die Eltern anteilig nach ihrem Erwerbs- und Vermögensverhältnissen, soweit sie leistungsfähig sind. Die anteilige Haftung begründet Teilschulden der Eltern. Der Volljährige kann dann von jedem Elternteil nur anteilig den Unterhaltsbetrag verlangen.

Der angemessene Selbstbehalt gegenüber Ihrem Sohn beträgt nach der Düsseldorfer Tabelle hier zurzeit monatlich 1.150 €. Einzusetzen wären daher bei Ihnen höchstens
1.427,02 € - 1.150,00 € = 277,02 €.
Sie hatten aber des Weiteren vorgetragen, dass Sie noch eine 22-jährige Tochter haben und einen 9-jährigen Sohn. Gegenüber der Tochter sind Sie nichtmehr unterhaltspflichtig.

Der Unterhaltsbetrag gegenüber Ihrem 9-jährigen Sohn wird auf alle Fälle zu berücksichtigen sein. Nach der Düsseldorfer Tabelle beträgt der Unterhaltsanspruch Ihres 9-jährigen Sohnes zurzeit 272,00 €. Hier wurde bereits das hälftige Kindergeld berücksichtigt.

Somit verbleibt nur noch ein geringer Teil Ihres Einkommens zum Einsatz für den Volljährigenunterhalt. Dies wären hier 1.427,02 € - 272,00 € (Kindesunterhalt 9.jähriger Sohn) – 1.150,00 (Selbstbehalt) =5,02 €.

Eine Mangelfallberechnung muss hier nicht durchgeführt werden. Diese bedeutet, dass das über dem Selbstbehalt einzusetzende Einkommen von Ihnen auf die Unterhaltsberechtigten verteilt wird. Da Ihr 9-jähriger Sohn aber dem Volljährigen Sohn im so genannten Rang vorgeht, wird der Unterhalt für den minderjährigen Sohn zunächst voll von Ihrem Einkommen abgerechnet.

Bei einer Haftungsverteilung hat also der Kindesvater zu fast 100 % den Kindesunterhalt zu zahlen. Der beträgt für Ihren volljährigen Sohn 670,00€ - 184,00 € (Kindergeld) = 486,00 €.



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