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Mitarbeiterin trotz Aufforderung unpünktlich - Abmahnung?


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Thomas Nolting
Stand: 20.09.2011

Frage:

Wir haben eine Mitarbeiterin, die trotz mehrfacher mündlicher Aufforderung und Ermahnung, sowie bereits schriftlicher Abmahnung häufig zu spät zur Arbeit erscheint. Waren es vor der Abmahnung ca. 3 * pro Woche, so sind es nun- nach erfolgter schriftlicher Abmahnung- ca. 1* pro Woche.
Die schriftliche Abmahnung erfolgte am 29.04.2011 durch unseren Fertigungsleiter, die letzte mündlich Abmahnung erfolgte am 08.07.2011 durch mich (Geschäftsführerin).
Hier nun meine Frage: wie oft muß ich schriftlich abmahnen, bevor eine Kündigung aus diesem Grund ausgesprochen werden kann. Spielt es hier eine Rolle, wie lange die Mitarbeiterin schon im Betrieb tätig ist?

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Antwort:

Im Grunde müssen Sie überhaupt nicht schriftlich abmahnen. Die Schriftform bietet aber den klaren Vorteil, dass Sie später auch belegen können, welches Verhalten Sie genau abgemahnt haben und was sonst noch geäußert wurde.
Ich würde daher grundsätzlich einer mündlich erteilten Abmahnung keine gesteigerte Bedeutung beimessen.

Grundsätzlich reicht eine Abmahnung aus, um eine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen zu können. Bei geringen Verstößen, die den Betriebsablauf nicht wesentlich gestört haben, sollte aber auf jeden Fall eine zweite, in manchen Fällen sogar eine dritte Abmahnung ausgesprochen werden.

Zu dem Themenkomplex „Kündigung wegen Zu-spät-kommens“ sind eine ganze Reihe von arbeitsgerichtslichen Entscheidungen ergangen.

Tenor ist im Wesentlichen, dass eine Abmahnung und später eine Kündigung nur dann gerechtfertigt ist, wenn der Arbeitnehmer das Zu-spät-Kommen zu vertreten hat. Bloßes Verschlafen reicht jedenfalls nicht aus, vielmehr muss der Mitarbeiter, wenn ihm dieses Problem bekannt ist, entsprechende Maßnahmen treffen, um eben zukünftig pünktlich zu erscheinen. In einem der entschiedenen Fälle lag der Grund für das Zu-spät-Kommen in der Einnahme bestimmter notwendiger Medikamente. Das Gericht hatte entschieden, dass der Arbeitnehmer trotzdem sein Zu-spät-Kommen zu vertreten hat, da er mehrfach vom Arbeitgeber darauf hingewiesen wurde und er jedenfalls mit seinem Arzt hätte das Problem besprechen können.

Wenn hier das Verhalten Ihrer Mitarbeiterin, also der Grund für deren Zu-Spät-Kommen, nicht völlig außerhalb deren Einflussbereich liegt, hat sie es zu vertreten.

Im Hinblick darauf, dass jedenfalls die mündliche Abmahnung aus meiner Sicht nur untergeordnete Bedeutung hat, sowie wegen der doch eher arbeitnehmerfreundlichen Rechtsprechung, würde ich empfehlen, eine letzte (auch so bezeichnen) Abmahnung schriftlich auszusprechen und zugleich darauf hinzuweisen, dass ein weiterer Verstoß eine verhaltensbedingte Kündigung nach sich ziehen wird.

Die Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiterin spielt keine Rolle. Einzig, wenn eine immer und stets und seit Jahren zuverlässige und immer pünktliche Mitarbeiterin jetzt einmal zu spät kommt, könnte eine Abmahnung deswegen unverhältnismäßig sein.

Natürlich spielt aber die Betriebszugehörigkeit für die Kündigungsfrist eine Rolle.



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