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Telefonabzocke - Wie verhalten


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Uwe Peters
Stand: 27.02.2011

Frage:

Meine Mutter ist 86 Jahre alt und hat in den letzten Tagen ein Brief bekommen
von einen Inkasso - Unternehmen, in Auftrag eines (Premium Direkt Gewinn spiele) in Internet . Man hat Sie angeblich übers Telefon in vorigen Jahr (14.06.2010 )angerufen,Sie hatte keine Benachrichtigung b.z.w. ein Vertrag unterschrieben noch bekommen.Erstens, meine Mutter leidet unter Dements, zweitens hat Sie kein Internet und kennt sich damit auch nicht aus.Es wäre nett wenn Sie uns rechtlich helfen könnten,Ich glaube es geht nicht mit rechten Dingen zu.

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Antwort:

Sehr geehrte Mandantin,

Bei der Firma Premium Gewinn o.ä., der Ihre Mutter offensichtlich telefonisch ins Netz gegangen ist, dürfte es sich um eine der vielen Firmen handeln, die überwiegend in der Internet-Abzock-Szene und zunehmend auch per Telefon tätig sind und mehr oder weniger mit den gleichen Tricks arbeiten. Es ist stets dieselbe Geschichte: Zumeist wird völlig unbedarft im Internet gesurft oder einfach nur der Telefonhörer abgehoben, weil es geklingelt hat, ohne konkreten Anlass und ohne Willen, etwa einen Vertrag abzuschließen. Mit der Variante über Zeitungsannoncen werden auch diejenigen erfasst, die noch nicht an das Internet gebunden sind. Die Opfer sind keineswegs nur unbedarfte Kinder, die in aller Regel nicht wissen, welche Bedeutung ein Klick mit der Mouse haben kann oder wer sich hinter einem Telefonanruf verbirgt. Es handelt sich auch keineswegs nur um ältere Mitmenschen, die am Telefon überfahren werden. Die Opfer ziehen sich quer durch sämtliche Bevölkerungsschichten. Insofern muss sich tatsächlich niemand schämen, zu den täglich tausenden von Opfern zu gehören. Zwar bietet der Gesetzgeber in den §§ 312 ff BGB einen gewissen Schutz für den Verbraucher, indem er ein 14tägiges Widerrufsrecht festgeschrieben hat. Die entsprechenden Firmen arbeiten jedoch mit geschickt und raffiniert aufgebauten Methoden, die zu unbewussten Vertragsabschlüssen führen und zunächst kaum zu durchschauen sind.

Das Telefonat Ihrer Mutter mit den Mitarbeitern der obskuren Firma ist geradezu ein Paradebeispiel. Hier wird älteren Mitmenschen vorgetäuscht, sie hätten bereits gewonnen und müssten noch bestimmte Beträge nachzahlen. Gleichzeitig werden persönliche Daten mit Bankverbindung und Kontonummer zwecks angeblicher Überweisung eines Gewinnes ausgefragt. Danach werden die Opfer nur noch als Vertragspartner behandelt, gleichgültig, ob sie einen Vertrag geschlossen haben oder nicht. Regelmäßig sind Kündigungen und Widerrufe nicht zustellbar oder werden ignoriert. Es genügt, dass Ihre Daten sich im Adressbestand dieser Firmen befinden, um Ihnen auch künftig Mahnschreiben und Zahlungsaufforderungen zu übermitteln.

Um das System und die Kalkulation der Firmen zu verstehen, muss man folgende Überlegung anstellen. Es handelt sich zumeist um Firmen mit wenig Personal und keiner größeren Organisationsstruktur, dafür aber mit großer EDV-Anlage, zahlreichen Telefonen und Druckern. Der beträchtliche Gewinn wird dadurch erzielt, dass nach Drohbriefen und Anrufen ca. 10 bis 15 % der Opfer die Rechnungen zahlen, um ihre Ruhe zu haben oder weiteren Ärger zu vermeiden. Da es sich zumeist um Summen von weniger als 100,00 EURO handelt, betrachten viele es als Lehrgeld. Diese 10 bis 15 % der zahlenden Opfer genügen, um ein Vermögen zu verdienen. Die Struktur ist keinesfalls darauf angelegt, sämtliche Nichtzahler mit einem Klageverfahren zu überziehen. Dies würde sich im Ergebnis keineswegs rechnen und wäre mit der personalarmen Vertriebsstruktur überhaupt nicht zu bewältigen. Diejenigen Opfer, die nach der ersten Mahnung nicht zahlen, erhalten sodann bereits Post vom Inkassounternehmen, welches weitere Gebühren aufschlägt und die Drohungen verschärft. Auch hier lassen sich viele Opfer einschüchtern und glauben, dass das Inkassounternehmen Konten pfänden oder anderweitige Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durchführen kann. Dies ist natürlich unzutreffend, da derartiges nur mit einem rechtskräftigen Titel möglich wäre. Genau hier ist der Ansatzpunkt: Weitere Telefonanrufe sollten mit sofortigem Auflegen quittiert werden. Sie sollten sich von weiteren Anrufen, Inkassoschreiben und Drohbriefen nicht einschüchtern und es durchaus auf ein Klageverfahren ankommen lassen. Dazu kommt es nämlich zumeist nicht, weil dann die Kalkulation zusammenbricht. Es wird von Beginn an nur auf diejenigen gebaut, die sich einschüchtern lassen und freiwillig zahlen.

Ich rate deshalb von einer Zahlung ab. Sie sollten auf weitere Schreiben der Firma oder von Inkassounternehmen überhaupt nicht mehr reagieren. Seinerzeit am Telefon hatte Ihre Frau Mutter (vermutlich) bereits den Fehler begangen, Ihre persönlichen Daten heraus zu geben oder zumindest Ihre Telefonnummer nicht zu unterdrücken. Wichtig für Sie ist in der nächsten Zeit vor allem die regelmäßige Kontrolle Ihrer Kontoauszüge, damit Ihnen nicht die Rückbuchung durch die Lappen geht. Bei Beträgen unter 100,00 Euro führen die Banken auch ohne Vorlage von Einzugsermächtigungen Abrufe aus.

Auch wenn diese fragwürdigen Anbieter rein rechtlich durchaus im Vorteil sind (formaljuristisch!), sollten Sie eine gerichtliche Konfrontation im Zweifel nicht scheuen. Nach weit mehr als hundert Beratungen in vergleichbaren Fällen ist mir bislang kein einziger Fall zugetragen worden, in welchem es tatsächlich zum Prozess kam. Dies gehört ersichtlich nicht in das Konzept dieser Firmen. Die Rechnung geht eben nur mit den (un-) freiwilligen Zahlern auf.



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