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Chancen beim Vorgehen gegen die Versicherung


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Uwe Peters
Stand: 16.08.2010

Frage:

Bei einem Umzug wurde meine Wohnzimmercouch (echt Leder, 4 Jahre alt) vom Umzugsunternehmen beschädigt. Hierbei handelt es sich um zwei Kratzer von ca. 10 cm Länge an einer der beiden Armlehnen. Der Schaden wurde von dem Umzugsunternehmen an die Versicherung gemeldet, die mir jetzt 200,-- Euro als Zeitwert zur Schadensbegleichung anbietet. Die Couch hatte vor 4 Jahren allerdings EUR 2650,-- gekostet. Ich halte hier die 200,-- für zu niedrig bemessen. Welche Möglichkeit habe ich jetzt, gegen die Versicherung vorzugehen und wie sind meine Chancen auf eine höhere Schadenssumme?

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Antwort:

Sehr geehrte Mandant,

Fragestellung: Welche Möglichkeit habe ich jetzt, gegen die Versicherung vorzugehen und wie sind meine Chancen auf eine höhere Schadenssumme?

Zunächst ist festzustellen, dass es sich bei Ihrer Couch um ein gehobenes Produkt handelt, welches auch bei einem Gebrauchsalter von 4 Jahren und normaler Beanspruchung noch einen beträchtlichen Wert haben dürfte. Dies ist der Ausgangspunkt. Ich unterstelle, dass die Couch gut erhalten ist und keine gravierenden Benutzungsspuren oder andere wertmindernde Schäden aufweist. Eine Haftung dem Grunde nach scheint unstrittig zu sein. Die Höhe richtet sich zum einen nach den Allg. Deutschen Spediteurbedingungen (ADSp) und zum anderen nach § 429 Abs. 2 HGB: Bei Beschädigung des Gutes ist der Unterschied zwischen dem Wert des unbeschädigten Gutes am Ort und zur Zeit der Übernahme zur Beförderung und dem Wert zu ersetzen, den das beschädigte Gut am Ort und zur Zeit der Übernahme gehabt hätte. Es wird vermutet, dass die zur Schadensminderung und Schadensbehebung aufzuwendenden Kosten dem nach Satz 1 zu ermittelnden Unterschiedsbetrag entsprechen. Der Wert des Gutes bestimmt sich gem. Abs. 3 Halbsatz 1 nach dem Marktpreis. Einfacher ausgedrückt ist Ihnen der Wertunterschied zwischen dem Zustand vor und nach dem Schadensereignis zu ersetzen. Zu beachten ist dabei die Haftungshöchstgrenze der Ziff. 23.1.1 ADSp auf € 5 für jedes Kilogramm des Rohgewichts der Sendung. Höherwertige Couches haben erfahrungsgemäß ein überdurchschnittliches Gewicht. Geht man von einem Gewicht von etwa 100 kg aus, läge die Begrenzung bei 500,00 Euro. Höher dürfte Ihr Anspruch wohl nicht sein, denn den Preis einer neuen Couch können Sie selbstverständlich nicht verlangen. Nach welchen Kriterien die Versicherung auf 200,00 Euro kommt, teilen Sie nicht mit. Ich vermute, dass es sich um eine pauschale, nicht näher begründete Schätzung handelt.

Inwiefern eine Reparatur möglich ist, vermag ich nicht einzuschätzen. An sich müsste ein Wertgutachten erstellt werden, um eine Wertminderung feststellen zu können. Nach § 430 HGB (Schadensfeststellungskosten) hat der Frachtführer bei Beschädigung des Gutes über den nach § 429 HGB zu leistenden Ersatz hinaus die Kosten der Feststellung des Schadens zu tragen. Allerdings greift hier die Schadensminderungspflicht des Geschädigten gem. § 254 BGB. Ein entsprechendes Gutachten würde vermutlich an Kosten in etwa die Schadenshöhe erreichen. Sie sind deshalb darauf verwiesen, einen Polsterer oder vergleichbaren Fachmann mit einer entsprechenden Schätzung/Kostenvoranschlag zu beauftragen. Die Kosten dafür sollten unter 100,00 Euro betragen und sind ebenfalls von der Versicherung zu tragen. Ich empfehle derart zu verfahren und der Versicherung die/den Schätzung/Kostenvoranschlag einzureichen und den sich ergebenden Betrag als Entschädigung einzufordern. Ggf. sollten Sie einen Rechtsanwalt beauftragen, denn die Anwaltskosten sind als weiterer Schadensposten ebenfalls von der Versicherung zu tragen.



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