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Höhe des Unterhalts für ein 20jähriges Kind


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwältin Mandy Riedel
Stand: 27.05.2010

Frage:

Wieviel Unterhalt muss ich meiner im August 20 jährigen Tochter bezahlen, wenn sie ab Juni wöchentlich 25 Std. a 6,- € brutto jobbt, im Herbst mit dem Studium anfängt und evtl. nicht mehr bzw. weniger arbeitet? Sie lebt kostenfrei (auch keine Nebenkosten!!) im Haus ihres Vaters in einer eigenen Wohnung und bekommt von mir 250,- € Unterhalt und Kindergeld direkt von der Familienkasse. Davon bestreitet sie ihre laufenden Kosten. Das Auto ihres Vaters kann sie bis auf Benzin kostenfrei mitbenutzen. Da ihr Vater mir 15 Jahre lang nur 125 -164 € Unterhalt gezahlt hat, hatten wir uns auf die 250,- € geeinigt. Das war das mindeste, was er wollte, ohne mich zu verklagen. Heute ist meine Tochter volljährig und bis jetzt hat sie zumindest nicht mehr verlangt. Kann man von einer Studentin verlangen nebenher zu jobben? Was passiert wenn sie keinen Studienplatz bekommt? Wie lange muss ich überhaupt zahlen? Mein Verdienst liegt bei ca. 26.000 € jährlich, davon bezahle ich aber (da selbständig) noch Lebensversicherung, Krankenversicherung und sonstige Versicherungen. Also bleiben so ca. 18.000,- übrig.

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Antwort:

Sehr geehrte Mandantin,

Ihre Frage möchte ich wie folgt beantworten:
Zunächst einmal sind beide Elternteile bei einem Kind, welches das 18. Lebensjahr vollendet hat, barunterhaltspflichtig. Es ist zu prüfen, ob das Kind noch bei einem Elternteil lebt oder mit einer eigenen Wohnung, also einem eigenen Hausstand unterhaltsberechtigt ist.
Wenn ich Ihre Ausführungen richtig verstanden habe, hat Ihre Tochter eine eigene Wohnung und wird im Herbst ein Studium beginnen. Für volljährige Kinder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und einen eigenen Hausstand besitzen, beträgt der Bedarf nach den süddeutschen Leitlinien für einen Studenten 640 EUR. Hiervon ist das staatliche Kindergeld in Höhe von 184 EUR in Abzug zu bringen. Der dann verbleibende Betrag von 456 EUR ist unter beiden Elternteilen aufzuteilen und zwar in der Höhe, wie die Einkommen beider Eltern sich verteilen. Wenn Sie also ein Einkommen von 4.000 und der Kindesvater von 2000 EUR verdienen würde, dann müßten Sie von dem Unterhaltsbetrag einen Anteil von 2/3 leisten.

Wenn das volljährige Kind noch im Haushalt eines Elternteils lebt, dann bemißt sich der Unterhalt nach der 4. Stufe der Düsseldorfer Tabelle. Hierbei ist wie folgt vorzugehen; das Einkommen (unterhaltsrechtlich relevantes) des Kindesvaters und das Ihre werden zusammengerechnet. Mit dem sich dann ergebenden Betrag wird in die Düsseldorfer Tabelle entsprechend der sich dann ergebenden Einkommenstufe geschaut. Der dort genannte Unterhaltszahlbetrag wird dann entsprechend der Quote der Einkommen; so wie oben im Beispiel mit dem Einkommen von 4.000 EUR und 2.000 EUR ermittelt.

Hintergrund dieser Berechnung ist, dass mit Vollendung des 18. Lebensjahres der Betreuungsbedarf entfällt und damit beide Elternteile barunterhaltspflichtig werden.

In Ihrem Fall hat die Tochter zwar einen eigenen Hausstand, lebt aber wie Sie schildern in einer Wohnung, die ihr der Kindesvater kostenfrei zur Verfügung stellt, so dass man hier wohl in der Beurteilung davon ausgehen muss, dass die Tochter so zu behandeln ist, als ob sie noch beim Vater im Haushalt lebt. Folglich gilt die zweite oben geschilderte Variante.

Leider ist Ihre Tochter nicht verpflichtet, während des Studiums einer Beschäftigung nachzugehen. Ihrer Tochter ist lediglich verpflichtet, das Studium in angemessener Geschwindigkeit zu beenden und sich ausschließlich auf Studium und das Lernen zu konzentrieren. Erzielt sie jedoch in der Zeit bis dahin ein Einkommen, so ist dieses hälftig auf die sich ergebenden Unterhaltsbeträge von Ihnen und dem Kindesvater anzurechnen. Während des Studiums erzieltes Einkommen wäre wohl überobligatorisch und nicht oder nur anteilig anzurechnen, da keine Verpflichtung zur Arbeit besteht.

Die Unterhaltsverpflichtung besteht grundsätzlich so lange, bis Ihre Tochter die erste Ausbildung abgeschlossen hat. Dabei geht die Rechtsprechung davon aus, dass Ihre Tochter das Studium durchzieht und nicht sogenannte Parksemester einlegt. Sie muss sich ausreichend um ihr Studium kümmern. Sicher kann sich das Studium durch nicht bestandene Prüfungen verlängern; jedoch nicht beliebig. Dies wäre jedoch im Einzelfall zu entscheiden.

Bei Ihrem durchschnittlichen Nettoeinkommen von rd. 1.500 EUR dürfte sich für Sie ohnehin wohl eine geringere Quote ergeben. Sie müßten von dem Kindesvater Auskunft über die Höhe seines Einkommens verlangen, um Ihren Anteil an dem sich ergebenden Kindesunterhalt ermitteln zu können. Nach Ihren Schilderungen steht er finanziell deutlich besser dar, so dass der Schwerpunkt der Belastung wohl bei ihm bleibt.



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