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Sind Ankömmlinge der Geschwister des Erblassers erbberechtigt?


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Wolfgang Philipp
Stand: 17.05.2010

Frage:

Meine verstorbene Großtante setzte mich als Gesamterbe ein. Dies wurde notariell beglaubigt. Des weiteren war ich ihre Betreuerin mit Bankvollmacht etc. auch über ihren Tod hinaus. Liegt auch schriftlich vor. Nunmehr verstarb meine Tante am 19.04.2010 und mir wurde von der Sparkasse der Hinweis gegeben, die Testamentseröffnung beim Nachlassgericht zu beantragen. Erbe ca 27 T €. Keine Kinder, Ehemann verstorben, Geschwister verstorben. Jedoch 2 Kinder ihrer Geschwister sind noch am Leben. Die laut Gericht auch angeschrieben werden, da erbberechtigt. Inwieweit ist das richtig?
Nunmehr die Frage: Gerade dies wollte meine Tante vermeiden, daß diese Verwandten, die sie nicht besuchten und sich nicht um sie Kümmerten auch Nachlass erhalten.

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Antwort:

Sehr geehrte Mandantin,

Ausschließen lässt sich, dass die Kinder der Geschwister Ihrer Großtante pflichtteilsberechtigt sind, da Pflichtteilsberechtigung außer für den Ehegatten nur bei Verwandtschaft in gerader Linie besteht, also im Verhältnis (Ur-) Großeltern, Eltern, Kinder, Enkel, Urenkel.

Eine etwaige Erbberechtigung der Nichten / Neffen kann sich deshalb nur unter folgenden Gesichtpunkten ergeben:
Dem Nachlassgericht liegt ein Testament vor, das die 2 Nichten/Neffen als (Mit-) Erben bezeichnet oder zu deren Gunsten sind Vermächtnisse angeordnet.

Das dem Nachlassgericht vorliegende Testament muss nicht zwangsläufig identisch sein mit dem Ihnen bekannten, notariellen Testament. Auch könnte das Ihnen bekannte Testament aus formalen Gründen ungültig sein. Denkbar wäre z.B., dass Ihre Großtante und ihr Ehemann ein streng wechselbezügliches Berliner Testament errichtet hatten. Dies würde eine spätere wirksame Testamentserrichtung durch Ihre Großtante ausschließen. Der Notar, der das Testament Ihrer Großtante beurkundet hat, muss nicht unbedingt davon gewusst haben. Denkbar aber ist auch, dass Ihre Tante später ein weiteres Testament (ggf. auch handschriftlich) errichtet hat, das eine andere Erbfolge, als die Ihnen bekannte anordnet.

Um hier Klarheit zu haben, würde ich den vollständigen Text des von Ihnen beschriebenen notariellen Testaments benötigen und es müsste Auskunft beim Nachlassgericht erholt werde, ob nur dieses Testament vorliegt oder noch ein anderes.



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