Der direkte Draht zum Anwalt:
(1,99 EUR/Min* | 07:00 - 01:00 Uhr)
*inkl. 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunknetzen.

Anspruch auf einen Pflichtteil trotz Testament?


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Florian Wehner
Stand: 27.03.2010

Frage:

Ich bin der älteste Sohn meiner Mutter, sie ist im Oktober letzten Jahres verstorben. Meine 4 Jahre jüngere Schwester wohnt seit dem Tod meines Vaters (November 2007) in der Wohnung und versucht, an das Erbe heranzukommen. Ich habe auch noch einen Bruder, weder ihn noch mich hat sie über den Tod meiner Mutter und meines Vaters informiert. Wir haben diesen Umstand erst durch das Amtsgericht erfahren.
Meine Eltern haben in bürgerlicher Ehe gelebt; also Zugewinngemeinschaft. Meine Schwester hat ein handschriftliches und unverschlossenes Testament meiner Mutter vorgelegt (datiert vom 8. November 2007, also unmittelbar nach dem Tod meines Vaters), in dem meine Schwester als Alleinerbin eingetragen ist.
Ferner hat sie auf Nachfrage im Februar ein "Berliner Testament" hervorgezaubert, das besagt, dass der Letztüberlebende die Verfügungsgewalt über das gesamte Erbe hat.
Bei dem Erbe handelt es sich um ein bebautes Grundstück von ca. 1000 m² inklusive der kompletten Einrichtung des 1 Familienhauses und den finanziellen Hinterlassenschaften (Reste der Lebensversicherungen, Reste auf den Girokonten, evtl. Aktienbesitz - war zu Lebzeiten jedenfalls vorhanden und evtl. Kontovermögen in der Schweiz).
Alle Geschwister haben einen Erbschein beantragt. Vom Amtsgericht wurden wir nun aufgefordert, auf die Beantragung eines Erbscheines unserer Schwester durch einen Notar zu reagieren und das binnen 2 Wochen. In diesem Antrag wird das gesamte Erbe auf 12.000€ beziffert.

Frage: Haben die Nachkommen einer Familie nicht generell einen Anspruch auf das Erbe (Pflichtteil), wenn ja, wie hoch? Wie können wir (mein Bruder und ich) den Antrag auf Erteilung des Erbscheines vereiteln? Wenn trotz persönlichen Testament ein Pflichtteilanspruch besteht, wie können wir diesen durchsetzen? Was müssen wir tun?
Vom Amtsgericht wurden wir zu einer Stellungnahme in der gewährten Frist aufgefordert, wie sollten wir am Geschicktesten reagieren? Können Sie uns einen versierten Anwalt und Notar in Berlin empfehlen?

E-Mail-Beratung:
Jetzt kostenloses Angebot anfordern!Hier gehts los.
Telefonberatung: Jetzt anrufen unter 0900-1 875 000-14
1,99 €/Min. inklusive 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunknetzen

Antwort:

Sehr geehrter Mandant,

zunächst bedanke ich mich für Ihre Anfrage und das in uns gesetzte Vertrauen. Gerne will ich auf Ihre Mitteilung eine erste Orientierungshilfe zur Sach- und Rechtslage zur Verfügung stellen - Sie haben den Sachverhalt ja sehr ausführlich und präzise dargestellt.

1. Zunächst die leider schlechte Nachricht:

Sofern die Testamente Ihres Vaters und Ihrer Mutter formgültig sind, sind sie unanfechtbar und entfalten volle rechtliche Wirksamkeit. Formgültig heisst nach § 2247 BGB:
- Testamente müssen eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein und den (die)Urheber zweifelsfrei erkennen lassen.
- Sie müssen im Besitz der geistigen Kräfte der Erblasser verfasst sein: wenn Anhaltspunkte für mangelnde Testierfähigkeit ( etwa der Mutter aus unmittelbarem Anlaß des Todes des Ehemannes in 2007) gegeben sind, ergibt sich hieraus möglicherweise ein Anfechtungsgrund. Dies insbesondere, wenn kein Anlaß erkennbar ist, aus dem die Mutter ausschließlich zugunsten der Schwester testiert hat und die anderen beiden Abkömmlinge enterbt hat. Hier sind ggf. genauere Angaben und Recherchen erforderlich; wofür auch die "Informationspolitik" Ihrer Schwester spricht.

Sollten sich für derlei Anfechtungsgründe keine Anhaltspunkte ergeben, müssen Sie und Ihr Bruder die Testamente leider gegen sich gelten lassen mit der Folge, dass Sie aus der Erbfolge fallen und Ihre Schwester den Erbschein erhält.

2. Nun aber die gute Nachricht:

Nach deutschem Erbrecht sind Sie keineswegs rechtlos, sondern haben nach § 2303 BGB einen Anspruch auf den Pflichteil. Und zwar, da der Tod Ihres Herrn Vaters erst im Jahr 2007 erfolgte, hinsichtlich des Nachlasses beider Elternteile, weil die Verjährung erst nach drei Jahren eintritt. Er beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Da Sie drei Abkömmlinge sind, gilt mithin Folgendes:

a) Nach Ihrem Vater stehen - da die Mutter im gesetzlichen Güterstand damals zu 1/2 nach dem Berliner Testament erbberechtigt war - jedem von Ihnen 1/12 des damaligen Nachlasses Ihres Vaters zu. Mangels näherer Aufteilung dürfte das die Hälfte des Gesamtbesitzes der Eheleute gewesen sein.

b) Nach Ihrer Mutter - weil der potentiell erbberechtigte Ehepartner ja weggefallen war - beträgt der Pflichtteil für jeden von Ihnen 1/6 des dann noch bestehenden Gesamtnachlasses. ( Todeszeitpunkt der Mutter).

Bitte beachten Sie, dass Schenkungen, die die Eltern oder die Mutter der Schwester bis zu 10 Jahren vor ihrem Tod gemacht haben, im Wege des Pflichtteilsergänzungsanspruchs rechnerisch zum Nachlass gehören. Sie erhöhen also den Pflichtteilsanspruch.

Der Pflichteilsanspruch ist NICHT gegenüber dem Nachlassgericht geltend zu machen, sondern gegenüber der Erbin, die ja - s. oben Ziff. 1 - vorbehaltlich einer Testamentsanfechtung - den Erbschein erhalten wird. Hier müssten Sie Ihrem Antrag zurücknehmen, da Ihnen sonst Kosten entstehen.

Sie müssten sodann zunächst eine komplette Nachlassaufstellung von Ihrer Schwester verlangen, wobei ich Ihnen schon empfehlen würde, wegen der doch gegebenen Kompliziertheit der Rechtslage und der nötigen Hinweise hierfür anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Alle Erben versuchen, den Pflichteilsanspruch klein zu rechnen, das ist das Ergebnis unserer über 60-jährigen Erfahrung auf diesem Gebiet.

Da es sich hier um im Wesentlichen schriftliche Auseinandersetzungen handelt, ist es nicht unbedingt erforderlich, dass Sie einen Anwalt vor Ort einschalten - Sie können in Deutschland jeden Kollegen Ihres Vertrauens damit betrauen. Dies gilt auch für den Fall, dass eine gerichtliche Auseinandersetzung nötig werden sollte.



Rechtsbeiträge über Erbrecht / Erb- und Steuerrecht
Interessante Fälle aus der E-Mail-Rechtsberatung zu Ausgleichspflicht

gesetzliche Erbfolge - keine eigenen Kinder | Stand: 15.03.2011

FRAGE: Wer erbt mein Vermögen nach der gesetzlichen Erbfolge?ich selbst - verwitwet, keine Kinder, Eltern verstorben, keine Geschwisternächste Verwandte ist die Schwester (verh.keine Kinder) meine...

ANTWORT: Sehr geehrte Mandantin,Die gesetzliche Erbfolge richtet sich nach den sogenannten "Stämmen". Sie bestimmt sich daher nach dem in der Generationenfolge nächsten gemeinsamen Verwandten, falls kein ...weiter lesen

Erbfolge innerhalb der Familie | Stand: 29.09.2010

FRAGE: Mein Sohn und ich selbst haben schlechten oder keinen Kontakt zu meinen Eltern (83 + 82 Jahre). Meine Tochter jedoch umso mehr. So haben meine Eltern in den letzten Jahren mehrere 100 TSD. Euro meine...

ANTWORT: Sehr geehrter Mandant, gerne nehme ich zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen mit den Zuwendungen Ihrer Eltern an Ihre Tochter Stellung: 1. Was ist mit den das Vermögen schmälernden "milden Gaben ...weiter lesen

Erbverteilung auf die Kinder nach dem Tod der Eltern | Stand: 07.07.2010

FRAGE: Wir sind drei Geschwister. Nach dem Tod unserer Mutter verzichteten wir auf eine Auszahlung des Erbanteils der Mutter zu Gunsten unseres Vaters. Nach dem Tod unseres Vaters im Januar 2007 beerbten wi...

ANTWORT: Sehr geehrter Mandant,grundsätzlich haben die beiden Geschwister einen Ausgleichsanspruch gegen H..Schwierig kann die rechtliche Konstruktion sein , um Ihre Ansprüche durchzusetzen.Vorteilhaf ...weiter lesen

Berechnung des Zugewinns in einer Ehe | Stand: 03.03.2010

FRAGE: Da mein geschiedener Ehemann nun die Vermögensauseinandersetzung eingeleitet hat, habe ich folgende Fragen zum Zugewinn:1.) Während unsere Ehe haben wir ein Haus gekauft, das sofort hälfti...

ANTWORT: Sehr geehrte Mandantin,Zunächst berücksichtigen Sie aber bitte, dass ich anhand der Informationen den Zugewinn als solchen nicht ausrechnen kann, da mir nur die drei Faktoren (Schenkung, Auto ...weiter lesen


E-Mail-Beratung:
Jetzt kostenloses Angebot anfordern!Hier gehts los.
Telefonberatung: Jetzt anrufen unter 0900-1 875 000-14
1,99 €/Min. inklusive 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunknetzen

SEHR GUT
4.5 Sternenbewertungen

19.609 Kundenbewertungen
Bewerten auch Sie den Anwalt
nach dem Gespräch !

   | Stand: 16.01.2017
Vielen Dank für die sehr gute Beratung

   | Stand: 13.01.2017
Ein sehr freundlicher, kompetenter Anwalt, der in wenigen Minuten einen komplizierten Sachverhalt lösen konnte.

   | Stand: 09.01.2017
Bei dem Gespräch mit dem Anwalt kam auch die Deutsche Anwaltshotline ins Gespräch. Neugierig geworden habe ich nach Beendigung des Telefongespräches gesucht und auch gefunden und meine Meinung kundgetan. Ich wünschte mir in unserer Nähe auch so kompotente Beratung, da ging es mir oft besser. Danke für die Beratung.

Der direkte Draht zum Anwalt:

0900-1 875 000-14
(1,99 EUR/Min* | 07:00 - 01:00Uhr)
*inkl. 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunktnetzen



Wichtige Themen:

Rechtsanwalt für Erbrecht | Erbrecht | Steuerrecht | Erb- und Steuerrecht | Auseinandersetzung | Auseinandersetzungsvertrag | Auskunftsrecht | Erbanfechtung | Erbanfechtungsfrist | Erbauseinandersetzung | Erbauseinandersetzungsvertrag | Erbausgleich | Erbreihenfolge | Erbschaftsfolge | Erbstreitigkeiten | Erlösauskehr | gesetzliche Erbfolge | Intestaterbfolge | Teilzwangsversteigerung | Testamentsanfechtung

Hilfreiche und viele kostenlose Produkte:


ERFOLGSAUSSICHTEN CHECK

Lassen Sie 10 Anwälte urteilen

Lohnt sich ein Anwalt? Lassen Sie das Risiko Ihrer Rechtsangelegenheit von unabhängigen Rechtsanwälten bewerten. ...weiter lesen
Hilfreiche und viele kostenlose Produkte:

HOMEPAGE TOOLS
NEU und exklusiv für Webmaster

Machen Sie Ihre Website rechtssicher! Mit unseren kostenlosen Homepage-Tools minimieren sie das Risiko einer Abmahnung. Egal ob Impressum, Disclaimer oder AGB. ...weiter lesen
Recht auf Ihrer Website

JURA TICKER

Die neuesten Meldungen auf Ihrer Website
Der Jura-Ticker bietet Ihren Besuchern aktuelle Gerichtsurteile, die stets interessant und leserfreundlich geschrieben sind. Dieser Content ist kostenlos in jede Website integrierbar und wird von uns täglich mit einer neuen Meldung bestückt. Rechtsgebiete, Größe und Farben des Tickers können dabei an den eigenen Internetauftritt angepasst werden.

Deutsche Anwaltshotline
Anwaltshotline
Der direkte Draht zum Anwalt:

0900-1 875 000-14
(1,99 EUR/Min* | 07:00 - 01:00Uhr)
*inkl. 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunktnetzen


E-Mail Beratung Online-Rechtsberatung per E-Mail. Antwort innerhalb weniger Stunden „schwarz auf weiß“. Jetzt Anfragen