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Bevollmächtigung eines Rechtsanwalts durch eine Erbengemeinschaft

Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Bernd Beder
Stand: 04.02.2010

Frage:

Es gibt lt. protokollierten Mehrheitsbeschluss einer Erbengemeinschaft (85 % der Stimmanteile) zwei Bevollmächtigte, die jede einzeln und befreit von § 181 BGB bevollmächtigt und beauftragt sind...geltend zu machen und sich hierzu nach eigener Entscheidung auch der Hilfe eines/einer Rechtsanwaltes/Rechtsanwältin zu bedienen.

Frage: Darf jeweils eine einzelne Bevollmächtigte (natürlich in Absprache mit der anderen) einen Rechtsanwalt bevollmächtigen? Oder müssen beide, jeweils einzeln eine Vollmacht an den zu beauftragenden Rechtsanwalt ausstellen?

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Antwort:

Sehr geehrte Mandantin,

Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass die Erben mehrheitlich nur eine solche Maßnahme beschließen können, die auch zur ordnungsgemäßen Verwaltung gehört. Sollte die Maßnahme, für die Sie anwaltliche Hilfe benötigen, zum Bereich der sogenannten außerordentlichen Verwaltung gehören, genügt die Mehrheit von 85% der Erbengemeinschaft nicht.

Die Abgrenzung zwischen ordnungsgemäßer und außerordentlicher Verwaltung ist schwierig. Soll sich die Vollmacht auf die Veränderung der Substanz des Nachlasses beziehen, ist in der Regel Einstimmigkeit erforderlich. Dies folgt aus § 2040 BGB, wonach über Nachlassgegenstände nur gemeinsam verfügt werden kann.

Die Vorberietung der Veräußeung eines Grundstücks dürfte damit zum Beispiel zur außerordentlichen Verwaltung, die Kündigung eines Mietvertrages zur ordnungsgemäßen Verwaltung gehören.

Unterstellt, der Beschluss bezieht sich auf Gegenstände der ordnungsgemäßen Verwaltung, ist zwischen der Außenwirkung des Beschlusses und dem Innenverhältnis gegenüber den Miterben zu unterscheiden.

Im Außenverhältnis führt die Beauftragung des Rechtsanwalts durch eine Bevollmächtigte dazu, dass der Geschäftsbesorgungsvertrag mit dem Rechtsanwalt zustande kommt.

Im Innenverhältnis hängt die Wirksamkeit davon ab, dass auch die zweite Bevollmächtigte der Auftragserteilung zustimmt. Der Sinn des Beschlusses, zwei Bevollmächtigte zu bestellen, besteht ja gerade darin, Eigenmächtigkeiten einer Bevollmächtigten zu verhindern und durch das Vier-Augen-Prinzip ein Mindestmaß an Kontrolle bei der Geschäftsführung für die Erbengemeinschaft zu gewährleisten.

Im Streitfalll müssen Sie beweisen, dass die zweite Bevollmächtigte mit der Beauftragung einverstanden war. Ich empfehle Ihnen daher, wenn die Beauftragung durch beide Bevollmächtigte - aus welchen Gründen auch immer - nicht möglich ist, sich die Zustimmung zur Auftragserteilung schriftlich bestätigen zu lassen.



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