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Sorge- und Umgangsrechte der Eltern nach der Trennung


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwalt Uwe Peters
Stand: 17.12.2009

Frage:

Wer hat mehr Rechte bei der Erziehung eines Kindes bei gleichem Sorgerecht?
Das Kind lebt bei der Mutter. Wenn er das Kind holt, beleidigt und beschimpft er die Mutter immer wieder aufs neue. Jegliche Telefonate führen immer dazu, dass er schreit und wieder mal die Mutter beschimpft. Was kann man machen damit das endlich aufhört?
Die Kleine weint auch immer wenn er sie holt. Weil er ja immer so launisch ist .
Besteht die Möglichkeit, dass die Mutter das Sorgerecht von ihm zurück holen kann?
Wenn das Kind nicht zu ihm will, muss man es dann zwingen? Die Kleine ist zwar erst zwei Jahre, aber sie weint immer wenn sie geholt wird.

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Antwort:

Sehr geehrter Mandant,

Zunächst sind zwei Dinge streng zu unterscheiden; nämlich das Sorgerecht und das Umgangsrecht. Das Sorgerecht umfasst neben der Vermögenssorge vor allem die Personensorge.

Gem. § 1631 Abs.1 BGB umfasst die Personensorge insbesondere die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen. Inhaber des Aufenthaltsbestimmungsrechts sind bei gemeinsamer Sorge beide sorgeberechtigten Eltern. Leben sie nicht nur vorübergehend getrennt, so müssen sie ein gegenseitiges Einvernehmen über den gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes erzielen, da es sich hierbei um eine Angelegenheit von erheblicher Bedeutung für das Kind handelt. Dagegen entscheidet über den täglichen Aufenthalt des Kindes der Elternteil allein, bei dem sich das Kind mit Einwilligung des anderen Elternteils oder aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung aufhält, vgl. § 1687 BGB. Dieses Recht steht während der Ausübung des Umgangsrechts dem anderen Elternteil zu, vgl. § 1684 BGB.

Daraus folgt, dass bei gemeinsamem Sorgerecht keiner der beiden Eltern berechtigt ist, das Kind ohne Zustimmung des anderen Elternteils dauerhaft an einen neuen Wohnort zu verbringen. Nicht wenige Elternteile missachten dies jedoch und betrachten das Kind als eine Art Eigentum und nehmen es an einen neuen Wohnort mit. Ich gehe davon aus, dass in Ihrem Fall der bisherige Lebensmittelpunkt und dauernde Aufenthalt des Kindes bei der Kindesmutter war.

Grundsätzlich sind die Kindeseltern gehalten, den Umgang mit dem Kind außergerichtlich und einvernehmlich zu regeln. Gem. § 1684 Abs.1 BGB hat das Kind das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.
Beide Elternteile werden durch § 1684 Abs. 2 BGB zu wechselseitig loyalem Verhalten verpflichtet. Ein Kind wird durch die Trennung der Eltern stark beeinträchtigt. Es ist Aufgabe der Eltern, weitere Schädigungen zu verhindern. Konflikte müssen Sie vom dem Kind fernhalten. Sie haben insbesondere alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt.

Was die Häufigkeit des Umgangs betrifft, verbietet sich jede Schematisierung. Es sind die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen. Dabei spielt das Alter des Kindes, die Intensität seiner Beziehung zu dem Umgangsbegehrenden, der Entfernung zwischen den Wohnorten der Eltern und Interessenbindungen des Kindes eine Rolle. Ist eine außergerichtliche Regelung nicht möglich, wird das Gericht in aller Regel das Umgangsrecht alle 14 Tage das gesamte Wochenende sowie die Hälfte der Schulferien und gesetzlichen Feiertage durch Beschluss festlegen.

Im Regelfall spielen sich solche Vereinbarungen nach gewisser Zeit ein. Häufig kommt es jedoch zu Streitigkeiten, die vornehmlich zwischen den Eltern ausgetragen werden und, wie in Ihrem Fall, in Beschimpfungen oder in Extremfällen zu Tätlichkeiten führen. In diesen Fällen kann das Gericht den begleiteten Umgang anordnen. Der Begleitete Umgang ist ein unterstützendes Angebot für Familien, die nicht mehr zusammen leben, aber weiterhin den Kontakt und die persönliche Beziehung von beiden Elternteilen zu den Kindern aufrecht erhalten wollen, dies aber nicht alleine verwirklichen können. Umgangskontakte zwischen Kindern und dem getrennt lebenden Elternteil können mit der Möglichkeit des Begleiteten Umgangs geplant, durchgeführt und nachbereitet werden. Im allgemeinen findet zuerst ein Elterngespräch mit beiden Elternteilen gemeinsam, oder auf Wunsch auch jeweils in Einzelgesprächen statt, um die Vorstellungen der Beteiligten zu erfahren und die Rahmenbedingungen fest zu legen. Danach wird ein Kennenlerntermin mit dem Kind durchgeführt. Bei diesem Treffen lernt das Kind die umgangsbegleitende Fachkraft kennen, die das Kind auf den Umgang mit dem getrennt lebenden Elternteil vorbereitet. Das Kind darf Vorschläge und Wünsche für den Umgangstermin einbringen.

Die Kindeseltern oder einer von ihnen sollten sich daher zunächst an das Jugendamt wenden und ggf. eine Familienberatung in Anspruch nehmen.

Hinweis: Eltern sind stets gut beraten, nach Möglichkeit eine eigene und nicht fremdbestimmte Regelung zu treffen und sich hieran zu halten.



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