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Am 05.04.09 stieß ich auf der Autobahn mit einem Geisterfahrer zusammen. Fragen rund um Schmerzensgeld


Online-Rechtsberatung von Rechtsanwältin Andrea Fey
Stand: 19.08.2009

Frage:

Am 05.04.09 stieß ich auf der Autobahn mit einem Geisterfahrer zusammen. Dieser hatte 1,8 Promille. Ich befand mich 3 Tage auf der Intensivstation, insgesamt 3 Wochen im Krankenhaus, anschließend 6 Wochen in Reha. Ich bin weiterhin krankgeschrieben und bin auf BTM Schmerzmittel angewiesen.
Folgende Hauptdiagnosen wurden gestellt:

Polytrauma
1. Traumatische Milzruptur Stadium IV
2. Rippenserienfraktur 4-10 links
3. Lungenkontusion beidseitig und Paenchymverletzung links
4. dislozierte Schenkelhalsfraktur (Garden 4) links
5. Contusio cordis
6. intermittierende Pankreasfistel
7. Platzwunde links frontal

Ich leide unter Schlafstörungen und Schmerzen und bin in psychologischer Behandlung
Mittlerweile habe ich von der Gegnerischen Versicherungen 2 Akontozahlungen in Höhe von insgesamt 7.000.-? erhalten.
Bisher wurde von meinem Anwalt Strafanzeige und Strafantrag gestellt.

Meine Fragen:
Wie hoch kann man das Schmerzensgeld ansetzen?
Muss trotz Akontozahlungen zivilrechtlich geklagt werden?

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Antwort:

1.Wie hoch kann man das Schmerzensgeld ansetzen?

Da die Rechtsprechung der einzelnen Gerichte höchst unterschiedlich ist und jeweils die konkreten Folgen des einzelnen Unfalls, die ebenfalls höchst unterschiedlich sind, zu beurteilen sind, kann ich Ihnen lediglich anhand von Beispielsfällen eine Ober- und eine Untergrenze aufzeigen.

Als Obergrenze würde ich daher folgenden Fall anführen:

Polytrauma mit Rippenserienfraktur rechts und links und Pneumothorax rechts mit Schocklunge, Tracheostoma, Beckenfraktur rechts, Hüftgelenksluxation rechts, Außenknöchelfraktur und Sprungbeinfraktur
Betrag 75000 DM (37500 EUR)
Dauer der Behandlung und Arbeitsunfähigkeit 3 Monate Krankenhaus mit mehrfachen Operationen, nach Krankenhausentlassung 3 Monate auf Rollstuhl und dann weitere 9 Monate auf Krücken angewiesen, 16 Monate nach dem Unfall wieder vollschichtig tätig, wenn auch auf einem anderen Arbeitsplatz mit überwiegend sitzender Tätigkeit
Person des Verletzten Frau
Dauerschaden Fußheberparese, Arthrosen im Fuß- und Hüftgelenk, MdE: 30 %
Besondere Umstände, die für die Entscheidung maßgebend waren Klägerin leidet weiterhin unter erheblichen Schmerzen im rechten Fuß und an der rechten Hüfte, insbesondere bei längerem Stehen oder Sitzen und beim Wetterwechsel; kann Hausarbeiten und berufliche Tätigkeit wieder relativ normal durchführen, auch wenn infolge von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen weiterhin gewisse Einschränkungen vorliegen; Dauerbeschwerden am Fuß und an der Hüfte sind zu einem geringen Teil auch auf ein unfallunabhängiges Übergewicht zurückzuführen; am rechten Fuß steht eine operative Versteifung und an der Hüfte eine spätere Operation bevor, hinsichtlich deren die Beklagte ein außergerichtliches Anerkenntnis abgegeben hat; wegen einer Mithaftung von 1/3 wurde der Klägerin lediglich ein Betrag von DM 50000 ((EUR 25000)) zugesprochen


Als Untergrenze käme evtl. folgender Fall in Betracht:

Verletzung Polytrauma mit Schädelhirntrauma 1. Grades; Rippenfrakturen mit Hämatothorax beidseits; Lungenkontusion links; Querfortsatzfraktur LWK 4/5; Os-sacrum-Fraktur; ausgedehntes retroperitoneales Hämatom; Leber-Kapselhämatom; großes Hämatom im Bereich der rechten Hüfte; traumatische Schädigung des Nervus recurrens; instabiler Beckenringbruch beidseits mit Symphysensprengung
Betrag 11500 DM (5750 EUR)+ immat. Vorbehalt
Dauer der Behandlung und Arbeitsunfähigkeit 9 Tage Intensivstation; weiter stationär 2 1/3 Monate; MdE insgesamt: ca.7 Monate 100 %
Person des Verletzten Frau
Dauerschaden Die instabilen Beckenbrüche in Fehlstellung knöchern verheilt, sodass das Geh- und Sitzvermögen dauerhaft beeinträchtigt ist. MdE: 20 %
Besondere Umstände, die für die Entscheidung maßgebend waren 50 % Mitverschulden
Rubrik · Becken o Bruch· Brust und Brustkorb o Rippenbruch· Innere Organe o Leber, Galle· Innere Organe o Lunge, Luftröhre, Zwerchfel· Kopf (siehe auch unter »Gesicht«, »Nerven«, »Sinnesorgane«) o Gehirnverletzungen· Rücken o Wirbelsäule mit Lendenwirbel § Wirbelsäule (Brustwirbel, Lendenwirbel, Kreuzbein, Steißbein)· Quetschungen
Gericht, Datum der Entscheidung, Az., Veröffentlichung bzw. Einsender KG Berlin30.5.199112 U 2228/90RiKG Phillipp

Die bisher erhaltenen Akontozahlungen in Höhe von insgesamt 14 TEUR liegen daher m.E. eher am unteren Rande eines zu erwartenden Schmerzensgeldbetrages.

Sie sollten daher m.E. zumindest auf einer weiteren Akontozahlung in Höhe von 7 TEUR bestehen.

2.Muss trotz Akontozahlungen zivilrechtlich geklagt werden?

Nicht unbedingt. Denn die Verjährungsfrist Ihres Schmerzensgeldanspruchs beträgt 3 Jahre. Sollte sich allerdings die Versicherung nicht zu weiteren Schmerzensgeldzahlungen bereit erklären, wäre Ihr Anspruch letztlich im Klagewege festzustellen.



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