Der direkte Draht zum Anwalt:
(1,99 EUR/Min* | 07:00 - 01:00 Uhr)
*inkl. 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunknetzen.

Handwerker muss Leistungen des Vorunternehmers prüfen

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Olaf Bartsch
Stand: 27.10.2015

Der Bundesgerichtshof hatte diesen Sachverhalt (Az. VII ZR 205/02) zu beurteilen: Der Kläger, ein Werkunternehmer, sollte in einem gewerblich genutzten Untergeschoss eines Gebäudes eine neue Fußbodenbeschichtung aufbringen. Er übertrug Teile der Arbeit auf den Beklagten als Subunternehmer.

Der Subunternehmer schlug vor, den Boden abzufräsen, weil der Untergrund eine Altbeschichtung aufwies und er befürchtete, durch das ursprünglich vorgesehene Kugelstrahlen könnten unerwünschte Vertiefungen entstehen. Der Subunternehmer fräste den Boden mit einer Großflächenfräse ab. Der Kläger brachte nach anschließender Reinigung die Bodenbeschichtung auf. Wenige Monate später löste sich die Beschichtung an mehreren Stellen ab. Der Kläger führt das auf mangelhafte Leistungen des Subunternehmers zurück. Er verlangt Schadensersatz. Das Gericht hat den Subunternehmer zu Schadensersatz verurteilt.

Ein Werkunternehmer, der selbst auf dem Gewerk seines Subunternehmers aufbaut und weitere Bauleistungen erbringt, verletzt die ihm in eigenen Angelegenheiten obliegende Sorgfaltspflicht, wenn er die Leistungen dieses Subunternehmers ungeprüft übernimmt. Ihn trifft, wenn er bei der gebotenen Prüfung einen Fehler des Vorgewerks feststellen konnte, Schadensersatz. Der Werkunternehmer ist dieser Sorgfaltspflicht hier nachgekommen. Er hatte sich die von der Beklagten bearbeitete Fläche angesehen und keine bedeutsamen Farbunterschiede bemerkt. Selbst der Vertreter der Herstellerfirma des Beschichtungsmaterials hatte den Boden zur weiteren Bearbeitung für geeignet gehalten.

Das Oberlandesgericht München (Az. 27 U 229/05) hat sich ebenso mit den Anforderungen an die Überprüfung von Vorgewerken für den Auftragnehmer beschäftigt und entschieden: Die Leistung des Werkunternehmers beschränkt sich nicht auf seine isolierte Werkleistung, sondern muss deren funktionales Umfeld mit einbeziehen.

Das betrifft vor allem Vorgewerke, mit deren Überprüfung der Auftragnehmer den Erfolg seiner eigenen Leistung abzusichern hat. Der Auftragnehmer hatte laut Vertrag die Dachabdichtungsarbeiten übernommen. Im Innern unterhalb der Dachfläche trat Wasser auf. Es kam zwar nicht zum Eindringen von Wasser durch Niederschlagswasser, sondern durch Kondensatbildung. Nach dem Gutachten eines Sachverständigen war die Dachabdichtung samt Vorgewerk nicht so ausgebildet, dass im Gebäudeinneren entstehender Wasserdampf ohne Kondensatbildung nach Außen entweichen konnte. Der Sachverständige hat 2 Fehlerquellen ermittelt. Zum ersten war das Gefälle der einzelnen Dachflächen deutlich geringer als 2 %. Zum zweiten fehlt im Bereich der Anschlüsse an beheizte Bauteile die Dampfsperre, was in diesem Bereich zu dem festgestellten Feuchteanfall unmittelbar hinter der Abdichtungsfolie führt. Nach Auffassung des Gerichts gehört zur Dichtigkeit eines Daches aber auch die Verhinderung von Kondensatbildung. Der Auftragnehmer war verpflichtet, die Eignung des Untergrundes für den Aufbau des Flachdaches, insbesondere das Vorliegen eines entsprechenden Gefälles zu überprüfen. Steht und fällt die Tauglichkeit einer Leistung mit der erforderlichen Qualität der Vorleistung, auf welcher der nachleistende Unternehmer aufbaut, muss der nachleistende Unternehmer die qualitativen Eigenschaften des Vorgewerks überprüfen. Der Unternehmer haftet wegen des Verstoßes gegen die Prüfungs- und Bedenkenhinweispflicht gem. § 4 Nr.3 VOB/B.

Nach dieser Vorschrift beschränkt sich die Leistung des Auftragnehmers nicht auf die isolierte Werkleistung ( Dachabdichtung ), sondern muss das funktionelle Umfeld für seine Leistung miteinbeziehen. Das betrifft vor allem das Vorgewerk, mit dessen Überprüfung ein Auftragnehmer den Erfolg seiner eigenen Leistung absichert. Jeder Auftragnehmer, der seine Leistung in engen Zusammenhang mit den Vorarbeiten eines anderen Unternehmers auszuführen hat, muss prüfen, ob diese Vorarbeit geeignete Grundlage für die eigene Arbeit des Unternehmers ist und keine Eigenschaft aufweist, die den Erfolg der eigenen Leistung in Frage stellen könnte (BGH BauR 1987,86). Eine Begrenzung erfolgt durch Zumutbarkeitskriterien, die jedoch nicht durch den Entwicklungsstand der DIN 18338 geprägt werden; das schließt bereits die lediglich beispielshafte Nennung in Abschnitt 3.1.4 der damaligen Fassung aus. Entscheidend ist die Bedeutung der Vorleistung für das eigene Gewerk. Daneben ist ausschlaggebend, was der Gewerbeüblichkeit entspricht und Ausdruck in einschlägigen technischen Regelwerken findet.

Nach einem Urteil des Landgerichts Bückeburg (Az. 2 S 22/06) haftet der Vorunternehmer, der Baumaterial falsch auswählt, dem Auftraggeber bei Schäden auch dann, wenn der nachfolgend tätige Bauhandwerker das falsch ausgewählte Material einbaut, ohne den Auftraggeber zuvor auf die falsche Materialauswahl hingewiesen zu haben.

Dem Werkunternehmer steht Werklohn für Heizungs-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten an einem Einfamilienhauses nicht zu. Die Forderung ist in dieser Höhe durch Aufrechnung erloschen. Dem Auftraggeber stand eine Schadensersatzforderung aus § 13 Nr. 5 Abs. 2 VOB/B in entsprechender Höhe zu, denn die Arbeiten des Werkunternehmers waren mangelhaft und dieser Betrag zur Beseitigung der Abdichtungsarbeiten erforderlich. Der Werkunternehmer hat für eine fehlerhafte Materialauswahl einzustehen. Der von dem Werkunternehmer gelieferte Bodenablaufsatz mit Pressflansch war für die Dusche des Hauses jedenfalls bei der Verklebung der Fliesen im Dünnbettverfahren nicht geeignet. Es hätte ein spezieller Dünnbettaufsatz verwendet werden müssen, wie von der Sachverständigen in ihrem Gutachten dargelegt wurde. Der Werkunternehmer hätte sich vor der Anlieferung darüber informieren müssen, in welchem Verfahren die Fliesen verklebt werden sollen. Der Auftraggeber war berechtigt, den Mangel beseitigen zu lassen, nachdem er den Werkunternehmer mit Schreiben vom 09.02.2004 vergeblich unter Fristsetzung zur Nachbesserung aufgefordert hatte. Der Anspruch des Auftraggebers gegen den Werkunternehmer aus § 13 VOB/B ist nicht deshalb ausgeschlossen, weil auch die Werkleistung des Folgeunternehmers mit Mängeln behaftet war. Der Fliesenleger hat zwar entgegen § 4 Nr. 3 VOB/B keine Bedenken gegen die Verwendung des Bodenablaufsatzes angemeldet. Dies entlastet den Werkunternehmer jedoch nicht. Unternehmer und Folgeunternehmer haften beide dem Besteller.
 
Fazit: Ein Handwerker darf Leistungen des Vor/Subunternehmers, auf denen er aufbaut, nicht ungeprüft übernehmen
Telefonberatung:
Jetzt anrufen unter0900-1 875 000-25
1,99 €/Min. inklusive 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunknetzen
E-Mail-Beratung:
Jetzt kostenloses Angebot anfordern!Hier gehts los.
Kontakt zum Autor des Beitrages:
Rechtsanwalt Olaf Bartsch   |Hier klicken





Interessante Fälle aus der E-Mail-Rechtsberatung zu Werkvertrag

Keine Zahlung - Kunde vertröstet Softwareentwickler | Stand: 27.10.2015

FRAGE: Ich bin selbständiger Softwareentwickler mit Schwerpunkt Anwendungsentwicklung im Internet/Datenbanken. Die Sachlage ist folgende: 2013 wurde ich von einem langjährigen Kunden (einer Werbeagentur...

ANTWORT: Der Kunde der Werbeagentur hat angeblich die Leistung bereits gezahlt? Die Frage ist nun, welche Rechte kann ich geltend machen? Ihre Rechte richten sich nach der genauen Einordnung des fraglichen Projektvertrag ...weiter lesen

Firma stellt Gaslieferung wegen neuer Sicherheitsbestimmungen ein | Stand: 02.09.2015

FRAGE: Uns wurde im Jahr 2003 ein Flüssigasbehälter aufgestellt und abgenommen. Es wurde von uns nichts verändert. Jetzt bekommen wir keine Gaslieferung mehr, da die Sicherheitsbestimmungen di...

ANTWORT: Die Firma darf den laufenden Wartungsvertrag jederzeit entweder ordentlich, oder aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung kündigen, insofern ist Ihre Auffassung nicht zutreffend. Auch von eine ...weiter lesen

Abzocke per Fax | Stand: 20.02.2014

FRAGE: Wir haben per Fax von Branchenbuch X, darunter klein geschrieben "Regionalauskunft" das Angebot für einen Branchenbucheintrag erhalten. Als Preis wurde 83,- € genannt ohne Bezug zu einem Zeitraum...

ANTWORT: In der Vergangenheit kam es bereits mit einer Vielzahl von Firmen zu verschiedenen Betrugsversuchen über mit dem Versuch, Gewerbetreibende dazu zu veranlassen, einen kostenpflichtigen Eintrag in ei ...weiter lesen

Dachdecker braucht zu lange - mögliche Pflichtverletzung | Stand: 01.08.2011

FRAGE: Ich habe ein Problem mit meinem Dachdecker, der seit ca. neun Wochen auf meinem Hausdach zugange ist. Das Dach ist jetzt etwa zur Hälfte eingedeckt. Es fehlt jetzt aber noch die komplette Blechverkleidun...

ANTWORT: Aufgrund der von Ihnen zur Verfügung gestellten Informationen beantworte ich Ihre Frage wie folgt: Der Werkvertrag ist in § 631 BGB geregelt. § 631 Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag (1 ...weiter lesen

Widerspruch gegen Mahnbescheid einlegen | Stand: 06.02.2011

FRAGE: Mahnbescheid am 3.2.11 erhalten. Strittig ca. 400€ von 3.450€Ist Widerspruch sinvoll ? Wie sind die Aussichten auf Erfolg/Teilerfolg?Sachverhalt: Sehr geehrter Herr ...RA,ihr Mandant hat am 19.10.201...

ANTWORT: Sehr geehrter Mandant,Fragestellung: Ist Widerspruch sinvoll? Wie sind die Aussichten auf Erfolg/Teilerfolg?Rechtlich hat die Fa. gegen Sie einen fälligen Zahlungsanspruch gem. § 631 Abs. 1 BGB ...weiter lesen

Photovoltaik Anlage bringt nicht die versprochene Leistung - Hersteller möchte nicht Umtauschen | Stand: 04.02.2011

FRAGE: Meine Photovoltaik-Module bringen 15-20% weniger Leistung als sie müssten.Nach Messungen und Sichtprüfungen durch den Installateur liegt ein Materialfehler vor (Korrosion o.ä.).Der Schade...

ANTWORT: Sehr geehrter Mandant,Fragestellung: Wie schätzen Sie meine Chancen auf eine erfolgreiche Klage ein.Sie haben etwa im Mai/Juli 2008 mit der Firma entweder einen Werkvertrag i.S.v. §§ 63 ...weiter lesen

Konstruktion für Kunden angefertigt aber dieser zahlt nicht - kein schriftlicher Vertrag | Stand: 02.01.2011

FRAGE: Mein Mann gründete 03/10 ein Konstruktionsbüro. Im Juni bekamen wir von Frästechnik W. einen Auftrag für eine Werkzeugkonstruktion, die nicht eilig sein sollte. Wir begannen damit...

ANTWORT: Sehr geehrte Mandantin,, um das Ergebnis meiner Prüfung vorwegzunehmen: Ihre Chancen, im streitigen Verfahren zu Ihrem Recht zu kommen, dürften ausgesprochen gut stehen. Ihr mitgeteilter Sachverhal ...weiter lesen


Rechtsbeiträge über Zivil-/ Zivilprozeßrecht
Interessante Beiträge zu Werkvertrag

Kein Wertersatz für Schwarzarbeit
| Stand: 27.10.2014

Hat ein Unternehmer für Bauleistungen einen Anspruch auf Wertersatz gegen den Besteller, wenn der Werkvertrag wegen Schwarzarbeit nichtig ist? Der Bundesgerichtshof (BGH) hat hierüber in seinem Urteil vom 10.04.2014 ...weiter lesen

Rückzahlungsanspruch nach Flugstornierung
| Stand: 07.10.2014

Muss ein gebuchter Flug storniert werden, steht man häufig vor dem Problem, dass die Fluggesellschaft den Flugpreis nicht erstattet. Der Luftbeförderungsvertrag stellt einen Werkvertrag i.S. der §§ 631ff. ...weiter lesen

Kein Anspruch auf Werklohn bei Schwarzarbeit
| Stand: 16.04.2014

Mit Urteil vom 10.04.2014 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass bei einem Verstoß gegen § 1 Abs.2 Nr.2 SchwarzArbG der zugrunde liegende Werkvertrag wegen Verstoßes gegen ein gesetzliches Verbot nichtig ...weiter lesen

Telefonberatung:
Jetzt anrufen unter0900-1 875 000-25
1,99 €/Min. inklusive 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunknetzen
E-Mail-Beratung:
Jetzt kostenloses Angebot anfordern!Hier gehts los.
Kontakt zum Autor des Beitrages:
Rechtsanwalt Olaf Bartsch   |Hier klicken

SEHR GUT
4.5 Sternenbewertungen

19.852 Kundenbewertungen
Bewerten auch Sie den Anwalt
nach dem Gespräch !

   | Stand: 29.03.2017
Danke! Wenn man ein rechtliches Problem hat möchte man gerne sofort seine Chncen und Risiken kennen. Ich kenne keine anderen Anwalt bei dem das schneller geht eine erste Einschätzung zu bekommen! Danke Dass es Euch gibt!

   | Stand: 28.03.2017
RA Andreas Wegener ist ein kompetenter und freundlicher Anwalt - sehr empfehlenswert! Die Anwaltshotline ist ein guter Service, den ich schon häufig und gerne genutzt habe, um schnell und unkompliziert kompetente Antworten auf kinifflige Fragen zu bekommen.

   | Stand: 28.03.2017
ich finde diese Einrichtung sehr sehr hilfreich - gerade wenn man nicht so recht weiß, wohin man sich wenden kann Vielen Dank nochmals

Der direkte Draht zum Anwalt:

0900-1 875 000-25
(1,99 EUR/Min* | 07:00 - 01:00Uhr)
*inkl. 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunktnetzen



Wichtige Themen:

Rechtsanwalt für Zivilrecht | Strafrecht | Vereinsrecht | Zivilrecht | Abschlagshonorar | Abschlagszahlung | Auftraggeber | Baumangel | Bauschäden | Bauvertrag | entgangener Gewinn | Handwerkerleistungen | Handwerkerrechnung | Reparaturdauer | Sicherheitseinbehalt | Streit mit Handwerker | Wartungskosten | Wartungsvertrag | Werkliefervertrag | Werklohn | Werkstatt-Garantie | Werkstattrechnung | Werksvertrag | Werktage | Werkvertragsrecht

Hilfreiche und viele kostenlose Produkte:


ERFOLGSAUSSICHTEN CHECK

Lassen Sie 10 Anwälte urteilen

Lohnt sich ein Anwalt? Lassen Sie das Risiko Ihrer Rechtsangelegenheit von unabhängigen Rechtsanwälten bewerten. ...weiter lesen
Hilfreiche und viele kostenlose Produkte:

HOMEPAGE TOOLS
NEU und exklusiv für Webmaster

Machen Sie Ihre Website rechtssicher! Mit unseren kostenlosen Homepage-Tools minimieren sie das Risiko einer Abmahnung. Egal ob Impressum, Disclaimer oder AGB. ...weiter lesen
Recht auf Ihrer Website

JURA TICKER

Die neuesten Meldungen auf Ihrer Website
Der Jura-Ticker bietet Ihren Besuchern aktuelle Gerichtsurteile, die stets interessant und leserfreundlich geschrieben sind. Dieser Content ist kostenlos in jede Website integrierbar und wird von uns regelmäßig mit einer neuen Meldung bestückt. Rechtsgebiete, Größe und Farben des Tickers können dabei an den eigenen Internetauftritt angepasst werden.

Deutsche Anwaltshotline
Anwaltshotline
Der direkte Draht zum Anwalt:

0900-1 875 000-25
(1,99 EUR/Min* | 07:00 - 01:00Uhr)
*inkl. 19% MwSt aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; ggf. abweichende Preise aus Mobilfunktnetzen


E-Mail Beratung Online-Rechtsberatung per E-Mail. Antwort innerhalb weniger Stunden „schwarz auf weiß“. Jetzt Anfragen