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Trotz falsch gezogener Zähne kein Schmerzensgeld

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Alexander Peter Taubitz
Stand: 24.03.2014

Zahn-OPEinen Sinneswandel bzgl. einer Zahn-OP äußert man besser deutlich

Eine Patientin hat kein Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn sie sich nach dem Beratungsgespräch kurzerhand gegen das Ziehen zweier Zähne entschieden hat und das weder dem operierenden Kieferchirurgen noch seinem Personal mitteilte. Denn der Arzt sei nicht verpflichtet, einen geänderten Überweisungsschein zu überprüfen, urteilte das Oberlandesgericht Oldenburg und wies die Klage ab.

Ein Zahnärztin empfahl ihrer Patientin, zwei Backenzähne zu ziehen und wurde deshalb zu einem Kieferchirurgen überwiesen. Sie litt jedoch nicht unter Schmerzen, daher stand sie dem kritisch gegenüber. Daher nannte der Chirurg ihr auch die Möglichkeit einer Wurzelspitzenamputation, riet aber dennoch, die betroffenen Zähne ganz zu ziehen. Die Patientin willigte ein und vereinbarte daraufhin einen Operationstermin. Als es dazu drei Monate später kam, hatte sie sich umentschieden, gab am Empfang lediglich einen entsprechend geänderten Überweisungsschein ab und erwähnte dies aber mit keinem Wort vor der Operation. Den Kieferchirurgen bekam sie vor der Operation nicht mehr zu Gesicht, sodass dieser – wie ursprünglich vereinbart – die beiden Backenzähne zog.

Die Patientin war der Meinung, dass der Arzt die Wurzelspitzenamputation hätte durchführen müssen und für das Zähneziehen keine Einwilligung mehr vorlag. Daher verklagte sie ihn auf 6.000 Euro Schmerzensgeld.

Das Oberlandesgericht Oldenburg aber teilte die Auffassung der Klägerin nicht. Der Arzt habe nicht die Aufgabe zu prüfen, ob die ursprüngliche Einwilligung noch fortbestand. Es reiche nicht aus, lediglich den geänderten Überweisungsschein abzugeben. Dadurch habe sie ihre ursprüngliche Einwilligung auch nicht wirksam widerrufen. „Bei so einem gravierenden Sinneswandel hätte die Patientin ihr Anliegen dem Praxispersonal unmissverständlich deutlich machen müssen“, erklärt Rechtsanwalt Alexander P. Taubitz. Denn bis zum OP-Termin hätte sie die Situation in der Hand gehabt, meint das Gericht.

 

Bild: US Army Africa/flickr.com/cc-by

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