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Erbschein trotz Anfechtung der Unterschrift des Testaments

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Jetta Kasper
Stand: 24.10.2013

In einem regulären Nachlassverfahren reicht es bei einem eigenhändigen Testament normalerweise aus, wenn der Richter die Schriftzüge mit einer anderen Schriftprobe vergleicht, die als echt gilt. Dafür bedarf es in der Regel keiner aufwändigen Hinzuziehung eines Schriftgutachters. Jedenfalls dann nicht, wenn wirkliche Zweifel eher unbegründet sind und weitere Umstände laut Aktenlage klar für die Echtheit des Testaments sprechen. Darauf hat das Oberlandesgericht Düsseldorf bestanden (Az. 3 Wx 105/13).

Eine zu diesem Zeitpunkt bereits krebskranke Frau hatte in ihrem handschriftlichen Testament verfügt, dass nach ihrem Tode der Ehemann alles erben, die vier Kinder aber leer ausgehen sollten, da sie bereits jeder ihren Anteil erhalten hätten. Als der Mann als Alleinerbe einige Jahre nach ihrem Tod nun den entsprechenden Erbschein beantragte, erklärten sich drei der Kinder schriftlich damit einverstanden. Ein Sohn allerdings widersprach der Erteilung des Erbscheins an seinen Vater. Die testamentarische Unterschrift der Mutter, so seine Begründung, stamme nämlich nicht von ihr.

Tatsächlich weicht der Schriftzug unter dem Testament von der Unterschrift ab, welche auf der dem Gericht vorgelegten Ablichtung eines zwei Jahre vor dem letzten Willen unterzeichneten Mietvertrages zu sehen ist. Doch laut dem Witwer kann die Vergleichs-Unterschrift gar nicht von seiner Frau stammen, weil diese - was übrigens auch die Tochter bestätigte - zeit ihres Lebens nie Mietverträge oder Ähnliches unterschrieben habe.

Zudem existieren an sonstigem Vergleichsmaterial keine längeren Texte der Verstorbenen, sondern lediglich weitere Unterschriften, wovon die jüngste vier weitere Jahre zurückliegt. In dieser Situation war das Nachlassgericht von der Authentizität der Unterschrift auch ohne Einholung eines Schriftvergleichsgutachtens überzeugt. Weist doch - bereits für jeden Laien ersichtlich - der unumstrittene Schriftzug von damals große Ähnlichkeiten schon bei den beiden Initialen auf. Kleine Abweichungen bei den anderen Buchstaben finden sich dafür auch in weiter zurückliegenden Unterschriften.

Zumal sich in der Testamentsakte die Ablichtung einer maschinenschriftlichen Erklärung befindet, in der die Kinder der Eheleute "auf die Erbschaft unserer Eltern" ausdrücklich verzichteten. Diese Erklärung datiert vom gleichen Tag wie das umstrittene Testament und ist von allen vier Kindern unterschrieben. "Insofern drängt sich ein eindeutiger inhaltlicher Bezug der maschinenschriftlichen Erklärung zugunsten der Rechtmäßigkeit der letztwilligen Verfügung geradezu auf", erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper.

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