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Dienstpost aus dem Fach des Kollegen gestohlen


Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Tim Vlachos
Stand: 27.06.2013

Stiehlt ein Angestellter die Post aus dem Dienstfach eines Kollegen, muss er mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Er kann sich jedenfalls nicht einfach damit herausreden, dabei in einer emotionalen und psychischen Ausnahmesituation gewesen zu sein. Das hat das LAG Hessen klargestellt (Az. 17 Sa 904/12).

Im konkreten Fall erhielt ein Flugbegleiter eine außerordentliche, verhaltensbedingte Kündigung. Er hatte bewusst aus dem Postfach eines Kollegen ein an diesen gerichtetes und als Dienstpost deklariertes Schreiben entnommen. Dabei war er offenbar ganz gezielt vorgegangen. Von seinem Postfach bis zu dem fremden musste er ca. 5 Meter zurücklegen. Und er hatte sich bereits wieder davon entfernt, als er mit den an den Kollegen gerichteten Sendungen vom Werkschutz gestellte wurde. Was zeigt, dass er auch nicht beabsichtigte, die Sendungen in das Postfach des Bestohlenen zurückzulegen, sondern diese mitzunehmen.

„Allein die Entnahme fremder Dienstpost am Arbeitsplatz ist eine Pflichtverletzung, die einen gewichtigen Grund für die fristlose Kündigung darstellen kann", erklärt Rechtsanwalt Tim Vlachos. Wobei der Zweck einer verhaltensbedingten Kündigung ja nicht eine Sanktion für die begangene Vertragspflichtverletzung ist, sondern die Vermeidung des Risikos weiterer erheblicher Pflichtverletzungen. Und da spielt das Kommunikationssystem des sensiblen Luftfahrunternehmens eine besondere Rolle. Alle Mitarbeiter des fliegenden Personals sind zur Postfachkontrolle vor und nach den jeweiligen Einsätzen verpflichtet - und darauf angewiesen, weil sie zu den unterschiedlichsten Tageszeiten von ihren jeweiligen Stationierungsorten starten und zu diesen zurückkehren und die dienstlichen, mitunter sicherheitsrelevanten Mitteilungen sie jeweils zu Beginn und zum Ende eines jeweiligen Einsatzes erreichen.

Auch war hier nach Einzelfalleinschätzung der hessischen Arbeitsrichter eine vorherige Abmahnung entbehrlich. Die - und sei es auch nur erstmalige - Hinnahme einer Pflichtverletzung der vorliegenden Art ist offensichtlich ausgeschlossen. Der erfahrene Flugbegleiter konnte nicht davon ausgehen, die Entnahme fremder Post aus den Postfächern anderer Angestellter werde vom Arbeitgeber geduldet. Dies gilt erst recht für erkennbar mit dem Vermerk "vertraulich" versehene Dienstpost.

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