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Schläge gegen Paparazzi sind Notwehr

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Jörg-Matthias Bauer
Stand: 04.07.2012

Frage: Darf ich mich gegen einen Paparazzi wehren, wenn der mich auf Schritt und Tritt mit seiner Kamera verfolgt und ständig von mir Aufnahmen macht?

Antwort: Das Oberlandesgericht Hamburg (Az. 3 - 14/12) hat jetzt in einem Revisionsverfahren ausdrücklich das Verhalten eines Mannes als Notwehr und damit rechtmäßig bewertet, der sich mit einem Schlag gegen die Kamera eines Pressefotografen auf einem Gerichtsflur der Ablichtung widersetzte. Als der Angeklagte zum Prozess im Treppenhaus des Amtsgebäudes erschien, begann der dort postierte Paparazzi ihn unablässig aufzunehmen. Und ließ sich bei seinem Blitzlichtgewitter auch nicht von dem ihn lautstark dazu auffordernden Opfer abhalten. Da schlug der erboste Mann schließlich zu und traf die Kamera vor dem Gesicht des Reporters, der etliche Blessuren an Nase und Gebiss davontrug. Das wertete der Paparazzi als unerlaubten Eingriff in die Pressefreiheit und wollte sein "Fotomodell" wider Willen wegen erheblicher Körperverletzung bestraft sehen.

Zu Unrecht allerdings, wie Hamburgs Oberlandesrichter betonten. Bei einer im Bereich der Kleinkriminalität liegenden Straftat ist ein Überwiegen des Informationsinteresses der Öffentlichkeit an einer Abbildung des Angeklagten regelmäßig ausgeschlossen. Und schon das unerlaubte Fotografieren verstößt nach allgemeiner Rechtsprechung gegen das von der Verfassung garantierte Persönlichkeitsrecht, weil bereits mit der unerwünschten Aufnahme das Bildnis in der konkreten Form der Kontrolle und Verfügungsgewalt des Abgebildeten entzogen wird.

Ein Bildreporter kann sich auch nicht damit herausreden, ein nach Paparazzi-Art gegen den ausdrücklichen Willen eines Betroffenen aufgenommenes Foto würde ja bei der späteren Veröffentlichung durch einen Balken vor der Augenpartie verfremdet werden. Die unerlaubte Abbildung bleibt weiterhin das Bildnis des Aufgenommenen, auch wenn der nur durch einen beschränkten Personenkreis zu identifizieren ist.

Ein davon Betroffene ist beim rechtswidrigen Anfertigen von Bildnissen auf dem Gerichtsflur zur Notwehr berechtigt. Er muss sich nicht darauf beschränken, sein Gesicht zu verdecken, sondern darf eine Verteidigung wählen, die den Angriff sofort und endgültig beendet. Der Schlag gegen die Kamera war laut hanseatischem Richterspruch grundsätzlich geeignet, das rechtswidrige Fotografieren zu beenden. Zumal dem Mann nach seinem fruchtlosen verbalen Widerspruch offenbar kein milderes Mittel mehr zur Verfügung stand.

Rechtsanwalt Jörg-Matthias Bauer

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