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Darf ein Postbote eine Lieferung einfach im Hausflur liegen lassen?

Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Rechtsanwältin Christine Bauer
Stand: 02.08.2012

Marianne Sailer aus Karlsruhe fragt:

Unser Postbote lässt Sendungen einfach auf dem Hausflur liegen, wenn diese nicht in den Briefkasten reinpassen. Darf er das oder gibt es andere Regelungen dafür?

Rechtsanwältin Christine Bauer aus Stralsund antwortet:

Wenn eine Sendung zu groß für den Briefkasten ist, dann hat der Postbote verschiedene Optionen:

- Er kann beim Empfänger läuten und die Sendung persönlich übergeben. Das kostet ihn natürlich mehr Zeit, weshalb das in den seltensten Fällen so gehandhabt wird.

- Falls niemand aufmacht, kann er es auch bei den Nachbarn versuchen. Dies ist erlaubt und in den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Post festgehalten. Wie das Kölner Oberlandesgericht 2011 entschieden hat, muss jedoch eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten des nicht angetroffenen Empfängers eingeworfen werden. Außerdem können auch Angehörige im Haushalt Sendungen annehmen. Dies ist bei allen Sendungen erlaubt, welche nicht explizit an eine bestimmte Person gerichtet sind. „Postident-Sendungen“ dürfen nur an den angegebenen Empfänger geliefert werden.

- Wenn weder Empfänger noch Nachbar und Angehörige anzutreffen sind, dann muss der Zusteller die Sendung zur nächsten Poststelle mitnehmen und ebenfalls eine Benachrichtigung hinterlegen.

Nimmt man selber als Nachbar eine Sendung entgegen, so haftet man für diese im Rahmen dessen, was man bei der Aufbewahrung für Sorgfalt an den Tag legen sollte. Keinesfalls sollten Sendungen deswegen einfach vor die Haustür des Empfängers gelegt werden. Holt der Empfänger die Sendung nach zwei bis drei Tagen nicht ab, sollte man selber bei ihm klingeln und versuchen ihn anzutreffen. Möchte man sich der Verantwortung entziehen, weil man möglicherweise viel unterwegs und kaum anzutreffen ist, kann man die Annahme als Nachbar selbstverständlich auch verweigern.

Für Pakete und Päckchen, welche nicht durch den Briefträger ausgeliefert werden, sondern vom Paketboten gilt Ähnliches. Da Pakete im Gegensatz zu Päckchen versichert sind, muss die Auslieferung mit einer Unterschrift quittiert werden. Beide Lieferungen können an den Nachbarn ausgehändigt werden oder gegebenenfalls zurück zur nächsten Postfiliale (DHL-Lieferungen) beziehungsweise Partner-Shop (DPD, Hermes) mitgenommen werden. In beiden Fällen muss eine Benachrichtigungskarte in den Empfängerbriefkasten eingeworfen werden.

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