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Adaption aus wirtschaftlichen Gründen

Stand: 15.09.2010

Stand: 15.09.2010 SE
Nürnberg (D-AH) - Geht es einem im Ausland adoptierten Kind hierzulande wirtschaftlich besser, so reicht die finanzielle Besserstellung für die Rechtmäßigkeit der Adoption in der Bundesrepublik allein nicht aus. Erst wenn das leibliche Wohl eines ausländischen Kindes in seinem ursprünglichen elterlichen Umfeld nachhaltig gefährdet ist, kann ein Wechsel zu Adoptiveltern in Deutschland gerechtfertigt sein. Darauf hat jetzt das Landgericht Düsseldorf hingewiesen (Az. 25 T 524/09).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, lebt im Haushalt eines Ehepaars in der Bundesrepublik Deutschland ein zum Zeitpunkt der Adoption sechseinhalb Jahre alter Junge. Er stammt aus einem afrikanischen Kinderheim, wo ihn die dortige Polizei untergebracht hatte, nachdem er nach einer nächtelangen Odyssee auf der Straße aufgegriffen worden war. Der Hirtensohn lebte zuvor bei einem Verwandten, der sich um den Schulbesuch des Jungen kümmern sollte. Stattdessen musste das Kind täglich achtzehn Stunden für ihn arbeiten und erhielt lediglich einmal am Tage ein Stück Brot als Mahlzeit. Weshalb der Junge floh und schließlich ins Heim kam, wo die Deutschen ihn dann kurzerhand adoptierten.

Laut dem deutschen Ordre Public allerdings zu Unrecht, wie die Düsseldorfer Landesrichter dem zunächst damit beschäftigten Vormundschaftsgericht bestätigten. Das Kind, das mit seinen sechseinhalb Jahren zum Zeitpunkt der Adoption bereits in fortgeschrittenem Maße in seinem geografischen und kulturellen Umfeld sozialisiert war, hatte nicht die vom Gesetz geforderte Gelegenheit gehabt, vor seiner Adoption die neuen Eltern kennen zu lernen. Auch seien die leiblichen Eltern des Kindes in nicht hinnehmbare Art und Weise - nämlich überhaupt nicht - an dem Adoptionsverfahren beteiligt worden.

Ein Adoptionsbedürfnis zum Wohle des Kindes kann nicht allein aus dem Vergleich zwischen den materiellen Lebensverhältnissen der leiblichen und der Adoptiveltern hergeleitet werden. Die leiblichen Eltern hatten den Buben nur deshalb einem Verwandten anvertraut, weil er - so die eigenen Aussagen des Jungen - für den Hirtenjungen sorgen und ihm in der Stadt eine Schulausbildung ermöglichen wollte. Das Gericht kann nicht ausschließen, dass die leiblichen Eltern selbst nicht untätig geblieben wären, wenn sie von der tatsächlichen Ausbeutung ihres Kindes erfahren hätten.

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