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Paparazzi am Arbeitsplatz

Stand: 18.08.2010

Stand: 18.08.2010 SE
Nürnberg (D-AH) - Ein Mitarbeiter darf seine Kolleginnen nicht heimlich am Arbeitsplatz fotografieren. Tut er das mehrfach und benutzt dabei immer wieder einen obszönen Kamerastandpunkt, sollte sein Chef den Möchte-Gern-Paparazzi schleunigst entlassen. Denn ein Arbeitgeber hat die seinen Untergebenen obliegende Treuepflicht durchzusetzen, dass die Mitarbeiter in seinem Betrieb alles unterlassen, was dem Unternehmen und den Angestellten abträglich ist. Das hat in einer aktuellen Entscheidung das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz betont (Az. 3 Sa 357/09).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, dürfen dem Mainzer Urteilsspruch zufolge einzelne Arbeitnehmer nicht durch ihr Verhalten den so genannten Bereich der betrieblichen Verbundenheit der Mitarbeiter unzulässig beeinträchtigen. Im vorliegenden Fall hatte ein 56-jähriger Entwicklungsingenieur und Abteilungsleiter mit seinem Handy verdeckt mehrerer Angestellten von hinten - sprich: deren Gesäß - fotografiert. Damit habe er laut Gericht deren Würde- und Integritätsinteresse sowie deren Recht am eigenen Bild verletzt. Der Akt des heimlichen Fotografierens stelle eine besonders nachhaltige und perfide Herabwürdigung der Kolleginnen als Sexualobjekt dar.

Das müssen Arbeitnehmerinnen in einem Betrieb nicht hinnehmen. Vielmehr können sie ihre Unternehmensleitung als Arbeitgeberin in die Pflicht nehmen, sie bzw. ihre Persönlichkeit und Würde vor derartigen unzulässigen Belästigungen am Arbeitsplatz zu schützen. Der Arbeitgeber kann und muss in derartigen Fällen sogar von sich aus die Initiative ergreifen, um seine Mitarbeiterinnen künftig davor zu bewahren, dass derartige Fotos von ihnen während der Arbeit gemacht werden.

Allerdings dürfe der aufgebrachte Unternehmer bei einer Entlassung des Störenfrieds in seinem Zorn nicht selbst über die Stränge schlagen und müsse zunächst eine Abmahnung erteilen. Was hier in der Rage des Geschehens leider versäumt wurde, weshalb der somit rein formell zu Unrecht Gekündigte in diesem Fall doch wieder an seinen Arbeitsplatz zurück durfte.

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