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Notbestattung ohne Angehörige

Stand: 22.09.2008

Stand: 22.09.2008 SE

Nürnberg (D-AH) - Bei der Beerdigung eines Verstorbenen haben die Wünsche und Vorstellungen seiner nächsten Angehörigen Vorrang. Das zuständige Ordnungsamt muss deshalb zunächst alles in seinen Kräften Stehende unternehmen, die Hinterbliebenen eines aufgefundenen und identifizierten Toten zu informieren, bevor es ohne deren Zustimmung eine Not-Bestattung vornehmen lässt. Selbst eine Leiche im bereits fortgeschrittenen Verwesungszustand ist zu diesem Zweck nötigenfalls noch einige Tage aufzubewahren, hat das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen betont (Az. 19 A 3665/06).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, hatten Vermieter und Polizei den stark verwesten Leichnam eines 45-Jährigen in seiner Wohnung aufgefunden. Der Diabetiker war an akutem Herz-Kreislaufversagen gestorben. Das Ordnungsamt beauftragte sofort einen Bestatter, der den Verstorbenen noch am Nachmittag in einem Reihengrab auf einem nahe gelegenen Friedhof beisetzte.

Zu voreilig, wie das Gericht feststellte. Einer der beiden Brüder des Verstorbenen, der ein Jahr zuvor in den Nachbarort verzogen und dort ordnungsgemäß gemeldet war, erfuhr per amtlichem Schreiben erst nach der Bestattung von dem Todesfall, der andere Bruder, der direkt neben dem Rathaus wohnt, wurde gar nicht erst informiert, obwohl er sogar im örtlichen Telefonbuch stand. Wodurch die Beamten dem Toten eine würdevolle Beisetzung im Rahmen einer Trauerfeier verwehrt haben, was als extrem pietätlos zu bewerten ist.

Die Bestattung fand wider Recht und Anstand gewissermaßen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die in Unkenntnis gelassenen Angehörigen konnten weder den Friedhof noch das Grab oder gar die letzte Bekleidung, den Sarg und den Blumenschmuck auswählen. Selbst wenn - wie die Behörde zu ihrer Entschuldigung anführte - der Leichenfund an diesem heißen Hochsommertag mit erheblicher Gesundheitsgefahr verbunden war, sei nach Auffassung der Richter zur Beseitigung dieser Gefahr nur die sofortige Räumung der Wohnung, nicht aber auch die sofortige Bestattung der Leiche erforderlich gewesen. Auch in einem solchen Notfall hätte die Stadt den Leichnam wenigstens für ein bis zwei Tage in einem Kühlraum aufbewahren müssen.

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