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Tauchboot statt Hotel

Stand: 29.08.2008

Stand: 29.08.2008 SE

Nürnberg (D-AH) - Wie man gebettet wird, so schläft man: Die Koje eines auf schwankender See manövrierenden Schiffs ist kein Ersatz für das Zimmer eines auf festem Grund an Land gebuchten Hotels. Wer also wegen totaler Überbuchung des teuer bezahlten Feriendomizils für die erste Nacht am Ziel seines weiten Flugs zwangsweise auf ein Tauchboot verfrachtet wird, hat zumindest vollen Anspruch auf Rückerstattung des für den verlorenen Tag berechneten Geldes. Das hat in einem Urteil das Landgericht Baden-Baden entschieden (Az. 2 O 335/07).

Wie telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, kam es zu den Unannehmlichkeiten bei der Anreise einer deutschen Familie auf den Malediven. Die Eltern und ihre beiden Kinder wurden nach der Ankunft auf dem Flughafen-Atoll gar nicht erst zum Eiland mit ihrem Hotel übergesetzt. Die betreffende Ferieninsel war nach Informationen der örtlichen Reiseleitung total überfüllt, weshalb die Neuankömmlinge zunächst auf ein Boot eingeschifft wurden, das normalerweise für Tauchfahrten in dem Unterwasserparadies zum Einsatz kommt. Bis zum Abend kreuzte das Boot zwischen dem Airport und der Hauptinsel hin und her und ankerte schließlich vor einer weiteren Insel, ohne den Zwangspassagieren einen Landgang zu ermöglichen. Die Familie war in einer engen Bugkabine untergebracht, das spärliche Essen kam aus der Schiffskombüse. Die ganze Nacht über dröhnten die Motoren des Tauchboots an ihrer Leistungsgrenze, denn die Besatzung war zum allen Übel mit hektischen Lösch- und Rettungsarbeiten für ein in unmittelbarer Nähe in Brand geratenes und schließlich im Flammeninferno untergehendes Schwesterschiff beschäftigt. Horror-Szenen, die vor allem für die Kinder zum Trauma wurden.

Für diese Katastrophe allerdings habe der Reiseveranstalter nicht einzustehen, betonten die Richter. Hier hat sich lediglich ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht, das sich jederzeit auch anderswo, beispielsweise vor der gebuchten Hotelinsel, hätte ereignen können. Dass die am nächsten Morgen endlich glücklich gestrandete Familie die Zimmer in ihrem Hotel dann erst am Nachmittag betreten durfte, sei dagegen aber unverzeihlich. Dafür zu sorgen, dass es nach all dem Ungemach nicht noch zu solch einer weiteren Verzögerung kommen konnte, lag in der Macht und Verantwortung des Veranstalters. Dieser weitere Organisations- und Reisemangel nahm nach Auffassung des Gerichts auch dem gesamten Folgetag die versprochene Qualität.

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