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Teure Phantasien eines Kunstsammlers

Stand: 21.08.2008

Stand: 21.08.2008 SE

Nürnberg (D-AH) - Gier macht blind: Ein Kunstsammler, der bei einer Gemäldeauktion Opfer seiner eigenen ungezügelten Phantasie wird, kann dafür nicht die Veranstalter der Versteigerung verantwortlich machen. War im offiziellen Katalog zu lesen, das angebotene Bild sei nur undeutlich signiert, während der Käufer darauf doch den markanten Schriftzug eines berühmten Malers zu erkennen glaubte, dann hat er selber das Risiko zu tragen, wenn sich das viel zu teuer erworbene Stück später nicht als bedeutendes Werk herausstellt. Das hat das Landgericht München im Falle einer zunächst für 250 Euro aufgerufenen und dann mit dem Zuschlag von 20.000 Euro versteigerten Pariser Straßenszene entschieden (Az. 15 O 19503/07).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, wollte die Bieterin den Preis des Pastells nicht mehr bezahlen. Sie sei davon ausgegangen, dass es sich bei der Signatur darauf um den markanten Schriftzug des deutschen Impressionisten Lesser Ury handle. Das habe sie den Auktionären im voraus auch gesagt, doch die blieben stur dabei, das Werk keinem bekannten Künstler zuordnen zu können oder zu wollen. Wider besseres Wissen habe man ihr nicht definitiv bestätigt, dass es sich mit Sicherheit um kein Ury-Bild handle. Diese Gewissheit habe sie erst nach dem Ende der Versteigerung erhalten und fühle sich somit arglistig getäuscht.

Dieser Einschätzung wollten die Münchener Richter allerdings nicht folgen. Für einen nicht sachkundigen Betrachter wie das Gericht sei der Schriftzug auf dem Bild erkennbar, aber nicht entzifferbar. Es handelt sich um keinen lesbaren Namen, sondern um ein paar blaue farbige Striche, die möglicherweise Buchstaben sein können Die Beschreibung undeutlich signiert im Katalog der Versteigerung gibt diesen Sachverhalt zutreffend wieder. Wenn die Sammlerin gleichwohl gemeint hat, auch ohne ausdrückliche Bestätigung der Auktionäre darin die Signatur von Lesser Ury zu erkennen, dann sei das ihr gutes Recht - und eigenes Risiko..

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