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Lehrer als Vorlage für Romanfiguren

Stand: 30.04.2008

Stand: 30.04.2008 SE

Nürnberg (D-AH) - Romanfiguren sind in der Regel das Phantasieprodukt des Schriftstellers. Auch für ein literarisches Werk, das an reale Geschehnisse anknüpft, sei es nun mal typisch, dass es tatsächliche und fiktive Schilderungen vermengt. Mit dieser Begründung hat das Bundesverfassungsgericht in einer unanfechtbaren Entscheidung (Az. 1 BvR 402/02) die Klage zweier Lehrer zurückgewiesen, die sich in dem Buch Pestalozzis Erben verunglimpft und damit in ihren Persönlichkeitsrechten beeinträchtigt sahen.

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, würde nach Ansicht der vors Gericht gezogenen Pädagogen die Darstellung der Lehrer in dem Roman unübersehbare Ähnlichkeiten zu ihnen selbst aufweisen. Ein Bezug, der zwar möglich ist, aber nirgendwo vom Autor behauptet wurde. Absurderweise monierten die Kläger den Umstand, dass die Romanfiguren äußerst verzerrt und vorwiegend negativ dargestellt worden seien, wodurch man sie als die tatsächlichen Urbilder mit ihrer eigentlichen Denk- und Verhaltensweise kaum noch wiedererkennen könne.

Gerade darin aber sahen die Bundesverfassungsrichter keine Ehrverletzung. Die porträtierten Lehrer würden als Beispiele bestimmter Lehrertypen beschrieben, um Missstände und Merkwürdigkeiten des gymnasialen Schulbetriebs aufzuzeigen. Diese Passagen seien aber nicht als persönliche Abrechnungen zu lesen. Mit dem Argument, sie würden in dem Roman verzerrt und einseitig negativ dargestellt, machten die Kläger dem Autor des Romans gerade die Fiktionalität seines Werks zum Vorwurf - und zögen sich damit sozusagen selbst den Teppich unter den Füßen weg. Es mache jedoch den Wert erzählender Kunstformen wie dem Roman aus, dass sie zwar häufig an reales Geschehen anknüpfen, dabei aber eine neue ästhetische Wirklichkeit schaffen, deren Gestaltung allein dem Künstler und seinem Können vorzubehalten sei.

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