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Unfall auf dem Schulweg

Stand: 27.02.2008

Stand: 27.02.2008 SE

Nürnberg (D-AH) - Steigt ein Schüler bei der Heimfahrt nach dem Unterricht versehentlich eine Bus-Haltestelle zu spät aus, erlischt nicht der eigentlich nur für den direkten Weg von der Schule nach Hause geltende Unfallschutz. Zwar führt jede Unterbrechung einer versicherten Tätigkeit, die aus pri­vaten Gründen vorgenommen wird, zu einem Entfallen des Versicherungs­schutzes. Doch bei Kindern und Jugendlichen sind weniger strikte Maßstäbe anzulegen, hat das Bundessozialgericht entschieden (Az. B 2 U 29/06 R).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, wurde ein 8-jähriger bayerischer Junge beim Nachhauseweg von der Schule während des Überquerens der Straße von einem Pkw erfasst und schwer verletzt. Der tragische Unfall geschah direkt nach dem Verlassen des Busses - allerdings rund 350 Meter hinter der in Höhe der elterlichen Wohnung gelegenen Haltestelle. Der Bub hatte auf die Aufforderung seiner Mitschüler Du musst jetzt raus! erst beim nächsten Ausstieg reagiert, wo er dann direkt in sein Unglück lief. Wegen des unzulässigen Umwegs versagte ihm die Sozialversicherung die Anerkennung als Arbeitsunfall - sprich: als vom Staat zu begleichenden Schulunfall.

Doch durch das Verpassen der Haltestelle ist in diesem Fall keinesfalls der notwendige sachliche Zu­sammenhang des Weges mit dem Schulbesuch verloren gegangen. Nach Auffassung der Kasseler Sozialrichter verfüge ein 8-jähriger Schüler nicht über die nötige Einsichtsfähigkeit und Reife, um stets den kürzesten Weg nach Hause zu nehmen und an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Zumal bei dem betroffenen Jungen die altersgruppentypische Zerstreutheit noch dadurch verstärkt wird, dass er an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung leidet und sich deshalb besonders schlecht konzentrieren kann.

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