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Die verlorene Ehre einer unbescholtenen Bankkundin


Nürnberg (D-AH) - Teurer Fahndungsfehler: Lässt ein Ermittlungsrichter das Foto einer Täterin veröffentlichten, die gar keine ist, steht der Betroffenen ein erhebliches Schmerzensgeld zu. Das hat das Landgericht Braunschweig entschieden (Az. 9 O 2225/05). Im konkreten Fall waren das immerhin 3.000 Euro.

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline berichtet, wurde eine unbescholtene Frau von der Überwachungskamera eines Geldautomaten aufgenommen, an dem versucht worden war, mit einer gestohlenen Kreditkarte und falscher PIN Bargeld abzuheben. Was die Polizeibeamten dabei übersahen: Der vom Automaten penibel registrierte Auszahlungsversuch fand erst eine knappe Minute nach der Zeitangabe statt, die auf dem von den Bankangestellten versehentlich zur Verfügung gestellten Foto ausgedruckt war. Außerdem hatten Augenzeugen bei weiteren Betrugseinkäufen mit der geklauten Karte ganz anders aussehende Personen beobachtet. Trotzdem übergab der zuständige Ermittlungsrichter die Aufnahme zur Forcierung der Fahndung an die Lokalpresse.

Die Weitergabe des Fotos war ein fataler Fehler, urteilten die Braunschweiger Landrichter. Die Frau war nämlich als Verkäuferin im Zentrum der Stadt tätig und wurde von vielen Kunden und Bekannten sofort erkannt und auf die Veröffentlichung angesprochen. Zwar konnte sie ihrem Chef und ihren Kollegen den falschen Verdacht erklären. Doch dass nach einer späteren Gegendarstellung in den Zeitungen sie niemand mehr daraufhin ansprach, werteten die Richter als Zeichen dafür, dass diese Richtigstellung von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Fazit der Richter: Wegen der erheblichen Rufschädigung steht der Frau auch ein erhebliches Schmerzensgeld zu.

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